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Rap-Madonna mit Schmollmund

In ihrem ersten Hit, noch mit einer Formation namens "Beatmasters" eingespielt, sprach sie aus, was viele Diskothekenbesucher denken, aber nie auszusprechen wagen: "Hey DJ" (sprich "Di-Dschei"), fuhr sie den Plattenaufleger an, "zu deiner Musik kann ich nicht tanzen." Betty Boo, 20, britische Rapperin mit schottischer Mutter und malaiischem Vater, fällt aber weniger durch ihr freches Mundwerk auf als dank der ansehnlichen Wölbung ihrer Lippen: Die Schmollmund-Prinzessin aus London wird in britischen Musikgazetten als "Madonna des PopRap" (Record Mirror) gepriesen, ihr Gesicht schmückte bereits die Titelseiten zahlreicher Hochglanz-Magazine. Mit ihrer Debüt-LP "Boomania", erschienen bei Rough Trade, beweist die junge Sängerin immerhin, daß die Lobeshymnen nicht ganz unberechtigt sind: Ähnlich wie die erfolgreiche Kollegin Neneh Cherry mildert die Newcomerin die harten Rap-Klänge mit melodisch schmachtendem Mädchengesang, ihre Interview-Antworten klingen brav: "Ich mag Phil Collins, weil er so normal und begabt ist - er hat keine korrigierte Nase oder so was."

DER SPIEGEL 40/1990
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