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Rushdie als Scheherezade

Zwei Jahre nach seinen "Satanischen Versen" meldet sich das Ajatollah-Opfer Salman Rushdie als Schriftsteller zurück: Seit ihn der Greis von Ghom mit dem Todesfluch belegte, lebt Rushdie im Untergrund. Von dort aus hat er seinen Agenten Andrew Wylie einen Deal in Millionen-Dollar-Höhe für die nächsten beiden Bücher aushandeln lassen. Das erste ist jetzt in Großbritannien erschienen: "Haroun and the Sea of Stories". Das halb orientalische, halb abendländische Märchen berichtet von einem Geschichtenerzähler, dem es die Sprache verschlagen hat. Sein kleiner Sohn verschafft sie ihm wieder. Rushdie hat das Kinderbuch seinem zwölfjährigen Sohn gewidmet. So unverfänglich seine Sage auch daherkommt, Rushdie wird kaum verhindern können, daß aufgebrachte Moslems in der islamisch regierten englischen Stadt Bradford auch mit diesem Buch ihr fundamentalistisches Feuerwerk veranstalten werden.

DER SPIEGEL 40/1990
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