GESTORBENAlwin Münchmeyer
82. Der Werdegang als Bankier und Kaufmann stand für den Hamburger Großbürgersohn von vornherein fest. "Das Leben", zitierte ihn seine jüngste Tochter Stefanie in der Biographie ihres Vaters "Hinter weißen Fassaden", "lag bereit wie ein Maßanzug, in den die jeweils nachfolgende Generation nur noch hineinzuschlüpfen brauchte." Der 1908 in der Hansestadt geborene Münchmeyer trat 1937 das Familienerbe an und wurde Teilhaber des 1846 gegründeten Handels- und Bankunternehmens Münchmeyer & Co. Wie vor ihm schon sein Vater wurde er Präses der Handelskammer Hamburg und später Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages. Der Bundespräsident verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz, die Hamburger Universität machte ihn zum Ehrendoktor. Welche Rolle der so Geehrte 1983 beim Zusammenbruch des von seinem Sohn geleiteten Bankhauses Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. spielte, wurde nie ganz geklärt. Das traditionsreiche Haus, in dessen Beirat Münchmeyer damals saß, hatte sich auf Geschäfte mit einem windigen Baumaschinenhersteller eingelassen. Aus der Politik hat sich der Bankier zeit seines Lebens am liebsten herausgehalten. Über die Nazi-Zeit bekannte er später: "Wir haben uns verhalten wie die berühmten drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen." So war Willy Brandt der einzige Regierungschef, über den sich der sonst stets hanseatisch-zurückhaltende Münchmeyer öffentlich mokierte. Den habe er einfach "nicht verstanden". Alwin Münchmeyer starb am Montag vergangener Woche in Hamburg.
