MITTELAMERIKA
Nicht akademisch
Ronald Reagan war noch nicht hundert Tage im Amt, da begehrte der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Kalifornier bis dahin unbekannt, Einlaß vor dem Tor des Weißen Hauses: Bruno Heck, Familienminister unter drei Bonner CDU-Kanzlern. Er hatte seine erzkonservative, antikommunistische Gesinnung nach dem Militärputsch in Chile 1973 mit einer unvergeßlichen Äußerung unter Beweis gestellt: Pinochets Häftlingen, in Santiagos Stadien zusammengepfercht, ginge es "bei sonnigem Frühlingswetter recht angenehm".
Begleitet wurde der Bonner in Washington von Manfred von Nordheim, Repräsentant der Adenauer-Stiftung mit Kontakten zum US-Rüstungs-Establishment. (Inzwischen agiert er als Amerika-Lobbyist der deutschen Waffenindustrie.)
An jenem sonnigen Morgen vor drei Jahren wurde Heck von den Sicherheitsbeamten Reagans abgewiesen. Subalterne
hatten die Einladung für die Deutschen verlegt. Es war die letzte Demütigung, die den Konrad-Adenauer-Stiftlern von ihren amerikanischen Gesinnungsgenossen zugefügt werden sollte. "Erst vor wenigen Tagen", so Bruno Heck, "war ich wieder in Washington - beim Präsidenten."
Die ungewöhnliche Nähe des ehemaligen Rottweiler Provinz-Politikers zu Reagan erklärt sich aus gemeinsamen Interessen: Beide wollen, jeder auf seine Weise, in Mittelamerika konservativen christdemokratischen Politikern zur Macht verhelfen und den "frechen Versuch der Sowjet-Union, Kubas und Nicaraguas" abwehren, "den Kommunismus in der Region zu etablieren" (so Reagan am vorigen Mittwoch).
Den Weg ins Oval Office ebnete den Deutschen seinerzeit ein katholischer Adenauer-Fan, Richard Allen, der sich in München während der 60er Jahre erfolglos um eine Promotion bemüht hatte. Was blieb, waren seine Kontakte zu deutschen Konservativen.
Als erster Sicherheitsberater des kalifornischen Präsidenten deklarierte Allen Mittelamerika "zum Vorgarten der Nation". Den Kommunisten unter den Guerrilleros am Isthmus galt es zu zeigen, was eine Harke ist. (Später, nach seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus, engagierte sich Allen als Lobbyist japanischer Baufirmen. Ihr Projekt: eine Art zweiter Panamakanal - diesmal durch Nicaragua.)
Eine neue Erklärung für die engen Kontakte der Reagan-Administration zur Konrad-Adenauer-Stiftung glaubte dann Anfang Mai die "Washington Post" liefern zu können. Der Zeitung zufolge hatte der amerikanische Geheimdienst CIA-Gelder an eine PR-Agentur in Venezuela, das "Institut für Volksbildung" (Ivepo), gezahlt. Ivepo "produzierte TV- und Rundfunk-Werbung für Herrn Duarte", den christdemokratischen Präsidentschaftskandidaten in El Salvador, der vor einer Woche die Wahlen in dem Bürgerkriegsland gewann (sein rechtsradikaler Konkurrent d'Aubuisson bestreitet das).
"Eine Quelle sagte", so die "Washington Post" in ihrem Artikel, "daß die CIA das Geld gewaschen habe, indem sie es zuerst über eine westdeutsche, christdemokratische Stiftung leitete. Diese, die Konrad-Adenauer-Stiftung, hat enge Beziehungen zum wichtigsten Spendeneintreiber von Ivepo." Bruno Heck verneint die CIA-Verbindung kategorisch.
Ein Informant der "Washington Post" ist Laurence Birns, ehemals Professor für lateinamerikanische Studien und heute Direktor der linksliberalen Stiftung "Council on Hemispheric Affairs" in der amerikanischen Hauptstadt. Bei einer Anhörung der Grünen in Bonn erzählte der Amerikaner, CIA-Gelder seien "über die Konrad-Adenauer-Stiftung" nicht nur an Duarte, sondern auch an den nicaraguanischen Guerilla-Chef Pastora gelaufen.
"Diese Behauptungen sind falsch", schrieb Stiftungschef Heck an den sozialdemokratischen "Parlamentarisch-Politischen Pressedienst". Dem Mittelamerika-Experten Birns schickte der Ex-Minister einen Brief hinterher: "Ihr Auftreten in Bonn kann nicht akademisch genannt werden."
Daß Hecks Stiftung, wie auch die sozialdemokratische Konkurrenz, auf politische Entwicklungen in Lateinamerika Einfluß zu nehmen sucht, ist so neu nicht. Schon 1972 kabelte Bonns Botschafter in Peru, nachdem es den CDU-Entwicklungshelfern gelungen war, mit ihrer Politik die christliche Gewerkschaft zu spalten, entsetzt ans Auswärtige Amt: "Die Botschaft hält es für dringend erforderlich, daß die Konrad-Adenauer-Stiftung ihre Projekte einstellt."
Im Sitz der christdemokratischen Stiftung in St. Augustin gilt als gesichert, daß im selben Jahr über das Bildungsinstitut der christlich-demokratischen Parteien Mittelamerikas 932 760 Mark deutscher Steuergelder in den Wahlkampffonds des christdemokratischen Präsidentschaftskandidaten El Salvadors flossen: Der hieß damals schon Duarte.
Die deutsche Stiftung vergaß ihn nicht. Im Dezember vergangenen Jahres lud sie Duarte nach einem Bonnbesuch nach Washington ein. Dort gab der neue Konrad-Adenauer-Repräsentant Pordzik im Embassy Row Hotel einen Empfang für den Hoffnungsträger El Salvadors und Ronald Reagans. Bei vielen anschließenden Terminen, unter anderem beim stellvertretenden Außenminister, die Duarte in der US-Hauptstadt wahrnahm, stand ihm Pordzik zur Seite.
Die Botschaft der Bundesrepublik aber schaute zu: Schon als Pordzik-Vorgänger von Nordheim die Adenauer-Stiftung in Washington vertrat, war der Einfluß der CDU auf den Gang amerikanischer Politik größer als der von Bonns Berufsdiplomaten.
Als Reagans damaliger Sicherheitsberater Allen 1981 nach St. Augustin reiste, um einen Vortrag vor illustren Gästen der Konrad-Adenauer-Stiftung zu halten, mußte Bonns Botschafter in Washington - auch er ein CDU-Anhänger - den hohen amerikanischen Beamten erst davon überzeugen, daß, bei allem Respekt für die schwarze Stiftung, eine Visite beim SPD-Kanzler Schmidt immer noch unerläßlich sei.
Ins wahre ideologische Zentrum des Reaganismus freilich ist die CSU-Konkurrenz, die Hanns-Seidel-Stiftung, vorgestoßen. Sie hat Quartier bezogen im Haus der "Heritage Foundation" in Washington. Dieser Klub zur Pflege rechter Gesinnung hat die Reagan-Administration von Anfang an mit Personen makelloser Weltanschauung beliefert. Zur Eröffnung des Seidel-Stockwerks tauchte die halbe Reagan-Elite auf, Vizepräsident Bush inklusive.
Die Seidel-Stiftungsangestellten werden den Amerikanern mit ihren Afrika-Kontakten zu zahlreichen Diktatoren aushelfen können. In Mittelamerika hingegen läßt sich die Konrad-Adenauer-Stiftung - und hinter ihr die CDU - das Wasser nicht abgraben. Im Büro der Pastora-Rebellen in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, hängt ein Kohl-Porträt. Der örtliche Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte den Guerrilleros das Plakat geschenkt. Motto: "Miteinander schaffen wir's". Die Waffen liefert weiterhin die CIA.