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DER SPIEGEL

Von Friedrich zu Hitler?

Rudolf Augstein zum 200. Todestag Friedrichs des Großen
Ich schreite von Land zu Land, von Eroberung zu Eroberung und nehme mir wie Alexander stolz neue Welten zu erobern vor.
Der 20jährige Kronprinz Friedrich an den Kammerjunker Carl Dubislav von Natzmer 1732.
Hätte es doch Gott gefallen, daß unsere verstorbene Mutter am 24. Januar 1712 eine Fehlgeburt gehabt hätte!
Der 36jährige Friedrich-Bruder Prinz Heinrich um 4. Januar 1762 an seinen jüngeren Bruder Ferdinand.
Preußens Friedrich stand nicht nur im Dreispitz Gevatter bei Gründung des Bismarck-Reichs 1871 im Spiegel-Saal von Versailles, er geisterte 1945 auch im Sterbekittel durch Hitlers Todesbunker. Dort hing als einziges Bild das des Großen Königs, nach dessen Tod von Anton Graff gemalt. Auch im Braunen Haus zu München hing ein Friedrich-Bild von demselben Maler.
Noch vor zwanzig Jahren wurde hart gescholten, wer versuchte, gewisse Traditionen aufzuzeigen. Sie reichten von der Thronbesteigung dieses faszinierendsten Menschen seines Jahrhunderts im Jahre 1740, über den großen Macchiavellisten Bismarck, dito, bis hin zu dem weniger großen Heeresdiktator Ludendorff, und, am Ende, dem wahnsinniggrößenwahnsinnigen Judenvergaser Adolf Hitler. Wie konnte man nur ein solcher Nestbeschmutzer sein?
Hatte denn Friedrich nicht den Watteau geliebt, nicht sein Sanssouci selbst entworfen? War er nicht mit Voltaire, dem berühmtesten Schriftsteller seiner Zeit, eine haßliebige Symbiose eingegangen?
Hatte er nicht Flöte gespielt, unzählige Stücke selbst komponiert, seine Schwester Wilhelmine, die Markgräfin von "Bareith" (Bayreuth), geliebt, seine Mutter geehrt und seinem Faktotum für alles, dem Leibhusaren, Kammerdiener dann Kämmerer Michael Gabriel Fredersdorf, die ergötzlichsten Liebesbriefe geschrieben? War er, trotz aller Unmenschlichkeit, nicht doch ein Mensch?
Ja doch. Das war er, aber das war auch Hitler, der Keller-Führer zwei Etagen tiefer, von dem wundervollen Stilisten Bismarck ganz abgesehen. Schließlich hat Hitler in dem Bariton Hans Hotter den künftigen Wagnersänger aufgespürt und ihn unter seinen "persönlichen Schutz" gestellt.
Es führt ja unter gar keiner Betrachtungsweise notwendig eine gerade Linie von Luther über Friedrich und Bismarck zu Hitler. Jene Menschen aber, ohne die Geschichte nicht gedacht werden kann, "dämonische" zumeist, sterben im Zeitalter der totalen Kommunikation aus. Hitler und Stalin waren, vielleicht mit Roosevelt, unter den letzten. Gefragt sind heute nicht die großen Beweger, sondern die großen Kommunikatoren.
Sicher, ohne Friedrich wäre Preußen nicht zur kleinsten der fünf europäischen Großmächte aufgestiegen, wäre von seinem "hermaphroditischen" (Friedrich) Wesen nicht erlöst worden. Ohne Bismarck wäre Preußen-Deutschland nicht die mächtigste Kontinentalmacht der Erde,
ohne Hitler nicht der grausamste Eroberungsstaat der Neuzeit geworden.
Aber soll es personell bedingte Notwendigkeiten über Jahrhunderte geben, in einer Art Stafettenlauf? Das doch wohl nicht. Es ist nicht unzulässig aber müßig, zu fragen, wie Europa wohl aussähe, wenn da im 18. oder im 20. Jahrhundert eine Person durch eine Fehlgeburt nicht gewesen wäre.
Wer aber den Verlust der deutschen Ostgebiete für ein Unglück hält; wer die Vertreibungen, die an Deutschen begangenen Grausamkeiten beklagt; wer sich fragt, was die Sowjets in Berlin zu beschicken haben, und wer den deutschen Namen durch Auschwitz geschändet sieht: der kommt an jener Figur nicht vorbei, die dem 20. Jahrhundert ihr Stigma aufgeprägt hat, an Adolf Hitler.
Die Frage lautet dann nicht, ob Hitler habe kommen müssen, weil vor ihm Friedrich und Bismarck waren, vielmehr, wie war es diesem monströsen und besessenen Menschen möglich, die absolute Macht über alle Deutschen zu usurpieren, bis er 1945 von außen zerschmettert wurde. Er nähte doppelt, er nahm nicht nur Zyankali, er schoß sich auch in den Kopf. Wie wurde gerade diese, die schlimmste aller deutschen Optionen möglich.
Da stößt man denn auf Preußen und auf jenen seiner Könige, dessen Persönlichkeit "symbolische Kraft für die deutsche Zukunft bis zum heutigen Tag" ausstrahlt: der gut österreichisch gesinnte Historiker Heinrich Ritter von Srbik schrieb dies 1935. Nach dem "Anschluß" wurde er in Wien Präsident der Akademie der Wissenschaften.
Dieser König war schon vor Hitlers Machtergreifung gegenwärtig. 1931 warnte die Dichterin Ricarda Huch vor dem "Anmarsch der Mannen Friedrichs zu neuem Verderben für das Reich".
Das Verderben war komplett. So urteilte der Fachhistoriker Manfred Schlenke, 1981 Spiritus rector der Preußen-Ausstellung in Berlin, 1973 in der "Welt":
Hitler nahm als einzigen Schmuck für den Führerbunker ein Portrait Friedrichs des Großen mit. Und wir wissen, wie er im Namen Friedrichs des Großen seine Generalität abgekanzelt hat. An unzähligen Beispielen ließe sich aufzeigen, wie eine Preußen-Propaganda ohnegleichen die ganze NS-Zeit durchzieht. Damit hat man führende Schichten des deutschen Volkes, der Reichswehr beziehungsweise der Wehrmacht, des Beamtentums, der Lehrerschaft gewonnen. Preußen war nicht nur ein zufälliges Propagandamittel. Die Berufung auf Preußen spielt für die Durchsetzung des Nationalsozialismus in Deutschland eine Rolle, die man im vollen Umfang noch gar nicht erkannt hat.
Inzwischen vielleicht doch. Es ist der erobernde, der alle Konventionen beiseite fegende Friedrich, der Hitlers Mannen vor Augen stand, der Verächter von Institutionen, von Religion, Recht und Gesetz, der Feind der Humanität.
Damals stritten sich ja noch Deutschnationale und Nazis um das Urheberrecht
an ihrem Helden. Vier Friedrich-Filme hatte die Ufa des Deutschnationalen Alfred Hugenberg 1933 bereits gedreht. "Der Choral von Leuthen" kam schon den neuen Herren zugute.
Goebbels übernahm das Geschäft und den Gebühr, der insgesamt neunmal als Großer König vor der Filmkamera auftrat. 1927 sagte er von sich in einem unbewachten Augenblick: "Es ist, so arrogant es klingen mag, etwas von dem großen Geist in mich gefahren, ich fühle mich vollständig als König Friedrich ..."
"Geheimnisvolle Kräfte noch über die Nachwelt auszustrahlen", so ein Josef Aquilin Lettenbaur 1929, wie das "die Seele dieser geschichtlich großen Figur angestrebt" habe - mit Hilfe der Leinwand gelang es. Aber 1942, als Hitler vor Moskau schon steckengeblieben war, brachte Goebbels, immer noch mit Otto Gebühr, seinen Film "Der Große König" in die Kinos. Den "Filmbetrachtern" befahl er strikt, "alle Vergleiche Friedrichs mit dem Führer unter allen Umständen zu vermeiden".
Offenbar hatte er das sich vorbehalten. Am 19. April 1942, dem Vorabend des Hitlergeburtstages, zog er selbst die vorher unerwünschte Parallele zu seinem "Großen König":
So hat das deutsche Volk den Führer in diesem Winter im Geiste immer vor Augen gehabt: umgeben von seinen Mitarbeitern, Politikern und Generälen, eingehüllt in die Liebe von ungezählten Millionen Menschen und doch zuletzt auf sich selbst gestellt.
Otto Gebühr verschwand wieder aus der deutschen Geschichte. An seinen Geburtstagen wurde Hitler immer noch mit Porzellanbüsten und sonstigen Friedrichensien bedacht. "Meinen Sie, die Grenadiere des Großen Königs wären gern gestorben", mußte sich so mancher Truppenführer anhören.
Aber man wurde doch kleinlauter. Hieß es früher, Friedrich habe einer zwölffachen Übermacht getrotzt, wohingegen das Reich seine Feinde schon fast zerschlagen hatte ("Man kommt sich wie ein Scheißkerl vor", Originalton Hitler), so richtete sich nach Stalingrad der Blick auf die für Friedrich fast tödliche Niederlage von Kunersdorf und auf den Tod der Zarin Elisabeth, auf diese "Mirakel des Hauses Brandenburg". Man hoffte auf die Wunderwaffe gegen England oder auf sonst ein Wunder. )
Wie der auf Selbstmord gestimmte Friedrich 1762 in Breslau nur noch auf das Eingreifen der Türken wartete, bis die Nachricht vom Tode der Zarin eintraf, so wartete Hitler 1945 auf die Geisterarmee des Generals Wenck.
Da starb Präsident Roosevelt am 12. April 1945. Goebbels teilte es Hitler mit. Die beiden Selbstmord-Kandidaten hofften in allem Ernst, hier sei es nun, das auch ihnen zustehende "Mirakel". "Wie besessen", so bezeugt Albert Speer, habe Hitler immerzu gestammelt: "Hier haben wir das große Wunder, das ich immer vorhergesagt habe, der Krieg ist nicht verloren." Zwanzig Tage später waren Hitler und Goebbels tot.
So stimmt also, was Hermann Göring 1940 in einem Geleitwort schrieb: "Keine Persönlichkeit der deutschen Geschichte steht unserer Zeit näher als Friedrich der Große."
Nur, "was kann Fritz davohr", könnte sein Vater gefragt haben. Er kann nichts dafür, daß die Nazis ihn verfälscht und ausgebeutet haben. Aber er hat damit zu tun, weil er eine Tradition begründete, auf die sich zu viele guten Grundes berufen konnten.
"Gewiß ist es eine nicht ernst zu nehmende Albernheit", schrieb der Volkswirtschaftler Wilhelm Röpke 1950,
Friedrich (oder Bismarck) zu "Vorläufern" von Hitler zu machen oder gar mit diesem zur selben Spezies zu zählen, eine Beleidigung für jene und eine völlig unverdiente Ehre für diesen. Nicht ganz so ungereimt aber ist es, wenn man fragt, ob sie ihm nicht insofern den Weg bereitet haben, als sie - sei es durch ihr wirkliches Handeln und Denken, sei es durch die außerordentliche mythogene Kraft, die vor allem Friedrich ausstrahlt - eine bestimmte politische Überlieferung und Geistesart geschaffen haben, die es Hitler so außerordentlich erleichtert hat, weiteste Schichten des deutschen Volkes einzufangen.
Die "mythogene Kraft" schuf den Anekdoten-König ("Rackers, wollt ihr denn ewig leben"). Wo aber hat er Epoche gemacht? Der Historiker und Friedrich-Anbeter Gerhard Ritter, damals 48 Jahre alt, schrieb 1936:
In Friedrich dem Großen ist die kalte und harte Staatsraison der neueren Geschichte zum ersten Mal unter uns Deutschen Fleisch und Blut geworden.
Es war diese "kalte und harte Staatsraison", wie sie der erste politische Denker der Neuzeit, Niccolo Machiavelli, in seinem Buch vom Fürsten, "Il Principe", niedergelegt hat. Machiavelli trennt mit einem klaren Schnitt das politische Handeln des Fürsten von der heuchlerischen kirchlichen und religiösen Moral namentlich des Papsttums. Der "Principe" wird von Herder, Kant und Fichte gepriesen, von Ranke mit den Zuständen der Renaissance entschuldigt.
Das einzige Kriterium für das Handeln eines Fürsten ist der Ruhm, prosaischer der Erfolg.
Kein anderer Fürst der Neuzeit hätte dem Florentiner so sehr zum Helden dienen können wie der Heerführer und Selbstherrscher Friedrich. Es kennzeichnet den Kronprinzen, daß er in Rheinsberg einen "Antimachiavell" verfaßt, während er schon mit höchst machiavellistischen Gedanken nach Wien und Berlin schielt. Wie, wenn der Kaiser in Wien stirbt? Dann wird es wegen der Erbfolge Turbulenzen geben. Wie aber, wenn sein eigener Vater vorher stirbt? Dann wird er es sein, der, gestützt auf die Armee des Vaters, die Turbulenzen nutzt.
Beides passiert binnen sechs Monaten, erst stirbt der Vater, dann der Kaiser. Hatte der Kronprinz das matte Werkchen zwecks Kritik an einen Freund geschickt, so erreichten die Beanstandungen den mittlerweile König. Er antwortet gutgelaunt:
Der Tod des Kaisers macht aus mir einen sehr schlechten Korrektor. Es ist eine verhängnisvolle Zeit für mein Buch und vielleicht eine ruhmvolle für meine Person.
Er fällt unvermutet in Schlesien ein, ohne der neuen Besitzerin Maria Theresia die geringste rechtliche Begründung zu liefern. Es gibt auch keine. Er gewinnt zwischen 1740 und 1745 zwei Kriege, fünf Schlachten, ganz Schlesien und die Grafschaft Glatz. Seinen französischen Bundesgenossen betrügt er zweimal, und recht schnöde.
Gab es einen Rechtfertigungsgrund? Ja. Er hatte Preußen um ein Viertel seiner Bevölkerung und um ein Drittel seiner Fläche vergrößert. "L''agrandissement", mehr Bevölkerung, mehr Soldaten, mehr Macht! Ritter 1936: "Vor der Geschichte gerechtfertigt." _(Derselbe Ritter 1954: "Er hat damit den ) _(Grund für die Größe Preußens gelegt; und ) _(solange dessen Aufstieg dauerte, konnte ) _(seine Tat als gerechtfertigt vor der ) _(Geschichte erscheinen." )
Auch Henry Kissinger würde hier den revolutionären Charakter Friedrichs anerkennen. 1854 kämpften England und Frankreich im Krimkrieg gegen Rußland. Österreich stand gegen den Zaren Gewehr bei Fuß. Bismarck, damals Gesandter Preußens beim Deutschen Bund in Frankfurt, empfahl seiner Regierung, "unvermutet in Österreich einzurücken", "während Böhmen bar von Truppen ist". Rechtsgründe? Keine. Beide Staaten waren im Deutschen Bund vereint. Dazu Henry Kissinger 1968 in seiner glänzenden Schrift "Der weiße Revolutionär":
Nichts kann den revolutionären Charakter der Persönlichkeit Bismarcks dramatischer illustrieren, als daß er einen preußischen Angriff auf Österreich empfahl, nur weil der Augenblick ihm günstig schien.
Nach diesem revolutionären Prinzip durfte Hitler in Wien und Prag getrost einrücken. Für Polen mußte er sich eine
günstigere Gelegenheit suchen, mußte die Opportunität entweder abwarten oder schaffen.
Bismarck als Preußens leitender Minister ab 1862 wollte die Gewichte innerhalb des Deutschen Bundes verschieben, wollte Preußen im Norden vergrößern und Österreich aus dem deutschen Süden verdrängen, mithin den Bund sprengen. Immer dachte er an die bewußte Lotterie a la Friedrich, an dessen eiserne Würfel, an das große Los im Topf.
Den Krieg gegen Österreich brachte er 1866 zustande. Die Umstände waren Preußen nicht günstig. Der geniale Generalstabschef Helmuth von Moltke, Militär der Eisenbahnen, konnte seine drei Armeen nicht auf Schienen zum Schlachtort Königgrätz karren. So mußte sich die Armee des Kronprinzen durch die schlesischen Berge in Richtung des Schlachtendonners vorankämpfen, ein Vabanquespiel.
Sie traf rechtzeitig ein. Bismarck neben seinem König auf dem "Feldherrnhügel" wähnte sich eine Stunde lang "dem Galgen näher als dem Thron". Er will daran gedacht haben, nach Amerika auszuwandern.
Aber er trug nicht, wie Friedrich, 18 ständig vorzeigbare Opiumkügelchen um den Hals, dazu bestimmt. "den Purzelbaum zu schlagen" (faire la culbute). Auch Zyankalikapseln führte er nicht im
Gepäck. Er war ein Spieler ganz großen Formats. Nie mehr Hasard!
Die Eroberungen, die er machen würde, hatte er schon im Kopf: Er annektierte ohne Umstände die Herzogtümer Schleswig und Holstein und das Königreich Hannover. Über "Zwirnsfäden", so sagte er, wolle er nicht stolpern, das geflügelte Wort wurde Programm.
Der Archivar des hannoverschen Königshauses, der Friese Onno Klopp, der mit seinem blinden König nach London ins Exil ging, warnte schon damals vor dem Prinzip des Friderizianismus, dem "Prinzip endloser Eroberungen":
Es ist nach außen das Streben der Erobenung, welches keine Grenze findet an einem moralischen Wollen, sondern lediglich an dem physischen Können. Es ist nach innen das Prinzip des militärischen Absolutismus, als der steten Bereitschaft zum Eroberungskriege. Es ist endlich nach beiden Seiten hin dasjenige der Täuschung über den eigentlichen Zweck und der Verhüllung desselben durch das Vorgeben anderer Bestrebungen, die geeignet sind oder scheinen, die Popularität wenigstens derjenigen Menschen zu erwerben, welche die Dinge leichthin an der Oberfläche zu betrachten pflegen.
Man wird diese Worte nicht unparteiisch, aber doch weitsichtig nennen dürfen, wie auch die seitens Wilhelm von Humboldts 1813 geäußerte Prophezeiung, Deutschland als deutscher Einzel- und Einheitsstaat werde dann auch ein erobernder Staat sein, "was kein ächter Deutscher wollen kann".
Noch die militärische Opposition des Heeres im Jahre 1940 gegen Hitler, der seine Visitenkarte in Prag und Warschau bereits abgegeben hatte, wollte Eroberungen in Polen, diesem Prügelknaben Europas- wollte über die Grenzen von 1914 hinaus, wollte Prag behalten.
Und auch das kapitulationsreife Kaiserreich verlangte im Sommer 1918 aus dem Munde der Heeresdiktatoren Hindenburg und Ludendorff ungerührt das französische Erzbecken von Longwy und Briey. Es ging nicht anders. Ein Krieg ohne Eroberungen war nun einmal laut Friedrich und Bismarck gar keiner.
Noch auf einem Tiefpunkt im Siebenjährigen Krieg schrieb Friedrich in fast komischer Verzweiflung: "Kann ich denn gar keinen Handel machen und das Herzogtum Kleve, das preußische Geldern und das Fürstentum Moers gegen Mecklenburg eintauschen?"
Die Lesart machte Schule. Ob Preußen Schlesien eroberte, Westpreußen und Posen annektierte, einen Teil Sachsens, Westfalen, Ostfriesland hinzuerwarb, ob es die Elb-Herzogtümer und Hannover schluckte, den Rest Deutschlands und Elsaß-Lothringen unter einem Militär-Monarchen vereinigte: Immer bis zum schwarzen Tag an der Marne 1914, ja noch bis zum 20. Juli 1944, war Preußen-Deutschland entweder zu groß oder zu klein, gemessen an den übrigen Mächten, und das hieß allemal: Es war zu klein.
Den Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71 konnten wohl weder Bismarck noch Napoleon III. vermeiden. Aber warum wurden Elsaß und Lothringen gegen den Willen der dortigen Bevölkerung annektiert, warum trumpfte im Versailler Schloß das deutsche Militärkaisertum protzig auf? Die Einkesselung Sedans, die Kapitulation des französischen Kaisers wurde in einen Sieg der überlegenen deutschen Kultur umgemünzt.
Gab es überhaupt eine Chance, Frankreich zu versöhnen, indem man ihm keine Provinz und keine Festung entriß, und indem man sein Kaisertum anderswo ausrief? Vielleicht nicht. Man versuchte es gar nicht erst. So stempelte Bismarck Frankreich zum Erbfeind in jedem kommenden Krieg. An der Hybris des von ihm zusammengemogelten und zusammengekarrten Reiches hat der sonst nicht hybride Staatsmann mitgewirkt. Im Reichstag erschien der ehedem militärdienstscheue Landwehrleutnant nur noch in Generalsuniform.
Aber nicht Bismarck, der Mann mit Augenmaß, war Hitlers Held. Seinen Überfall auf Polen 1939 nannte der Führer folgerichtig "meinen Ersten Schlesischen Krieg", andere woanders würden ja folgen. Aber auch schon 1914 war Grund gewesen, sich weniger auf Bismarck als auf Friedrich zu besinnen.
Preußen-Deutschlands Kriege hatten "kurz und vif" zu sein (Friedrich), wie später Hitlers "Blitzkriege". Nicht noch einmal wollte man, wie Friedrich 1762, auf die Türken warten müssen, nicht noch einmal mit dem bloßen Schrecken und der wunderbaren Sterbehilfe seitens einer Kaiserin davonkommen.
Wieder wollte man 1914, wie 1756, gegen eine hausgemachte übermächtige Allianz (damals Österreich, Rußland, Frankreich), das Prävenire spielen, weil man unzulänglich unterrichtet war und aus dem Siebenjährigen Krieg nichts gelernt hatte. Den Krieg gegen Frankreich und Rußland "kurz und vif" zu führen, darauf kam alles an, und ihn nur gegen diese beiden zu führen, nicht etwa auch gegen England.
England bei wohlwollender Neutralität zu halten wäre die wichtigste Aufgabe einer funktionierenden Reichsleitung gewesen. Diese hatte Bismarck seinem Reich freilich nicht hinterlassen wobei erschwerend hinzukam, daß Wilhelm II. seine Verantwortung nie begriff. Der frühe Tod seines Vaters, des 99-Tage-Kaisers Friedrich III., war, bei allem Vorbehalt, wohl doch ein Unglück.
Wilhelm ließ zu, daß sein Generalstabschef Graf Schlieffen einen Feldzugsplan entwarf, der das neutrale Belgien, Englands Festlandsglacis und Gegenküste, von vornherein zum Einmarsch bestimmte (als der Graf pensioniert war, nahm er Holland noch dazu). Von diesem Plan will der Großadmiral
Tirpitz, als Staatssekretär im Reichsmarineamt, der andere Schurke im Stück, bis zum Kriegsausbruch 1914 nichts gewußt haben.
Tirpitz, ein ungemein befähigter Propagandist, redete dem Kaiser ein, die deutsche Flotte müsse stark genug sein, um England auch auf See Paroli zu bieten. So war der Krieg verloren, noch ehe er begonnen hatte. Die USA, stärkste Macht nach 1918, wurden in die Rechnung gar nicht erst eingestellt.
Ähnlich leichtsinnig und ohne solide Berechnungen hatten Friedrich und sein Lieblingsgeneral Hans Karl von Winterfeldt 1756 den Überfall auf das neutrale Sachsen geplant, ohne dessen Ressourcen sie den Krieg gar nicht erst beginnen zu können glaubten.
Wie 1914 das Kaiserreich, hatte auch Friedrich die ihm verderbliche Koalition 1756 durch sein eigenes Verhalten erst geschmiedet. Beide Male muß offenbleiben, ob die Aussicht auf Eroberungen den Blick getrübt hat. Wer in Sachsen einfällt, hat es nächsten Tages auch schon annektiert.
Wer, wie die Wilhelm-Deutschen, Belgien überrennt, angeblich nur aus Gründen des Durchmarsches, kann sich sechs Wochen später schon nicht mehr vorstellen, ohne Belgien auch nur einen Tag leben zu können. Polen muß man ohnehin immer annektieren. Die Verletzung fremden Rechts, sie fiel dem auf triumphierendem Rechtsbruch gegründeten Reich leichter als anderen Staaten, bis hin zu dem trostlosen Tag im Jahre 1932, als die Reichsregierung Papen, die im Reichstag keine Mehrheit hatte, die Regierung Preußens, die ihre Mehrheit im Landtag verloren hatte, kurzerhand absetzte, "Preußenschlag" geheißen.
Fehler wie 1756 und 1914 konnten dem Zwillingswerk Bismarck/Moltke allerdings nicht unterlaufen. Als Moltke 1869 gegen Frankreich und 1889 gegen Rußland losschlagen wollte, sagte Bismarck beide Male nein. Als Bismarck 1866 gegen Österreich losschlagen wollte, sagte Moltke, ohne eine Übereinkunft mit Italien könne er für den Sieg nicht einstehen. Bismarck folgte ihm.
Auf Friedrich geht die Verachtung für die zivilen Ratgeber zurück, wenn sie von einem Glücksspiel abraten. Podewils, Friedrichs sogenannter Außenminister, der ihm 1745 den Besitz von Oberschlesien durch geschicktes Verhandeln gesichert hatte, wollte ihm 1756 vorhalten, noch könne man die feindliche Konstellation zugunsten Preußens beeinflussen. Friedrich hörte ihn nicht einmal an, sondern rief diesem "Angsthuhn" ("poule-mouillee") nur spöttisch nach: "Adieu, Monsieur de la timide politique." Dabei ging es um sieben Jahre Krieg, um die Existenz, um die Ehre, um alles. Wir wissen von Göring, daß Hitler sich durchweg so verhielt.
Anfang 1745, zweihundert Jahre vor Hitlers Ende, schrieb Friedrich aus seinem schlesischen Hauptquartier an Podewils nach Berlin:
Entweder werde ich meine Macht behaupten, oder ich will, daß alles zugrunde geht und bis auf den preußischen Namen mit mir begraben werde.
Bis auf den preußischen Namen wegen einer Provinz, auf die Preußen ernsthaft keinen Anspruch hatte, und ohne deren Besitz es unbehelligt leben konnte. Das mag man den Beginn einer großen Tradition nennen.
Als das deutsche Kaiserreich noch nicht verloren schien, vor der Marneschlacht im September 1914, kam ihm der deutsche Geist zu Hilfe. Nicht der von Sedan, sondern in Gestalt des bedeutenden Literaten Thomas Mann. Und wieder ging''s um Friedrich, in dem glänzend geschriebenen Bändchen "Friedrich und die große Koalition". Wie argumentiert Thomas Mann? So:
Er war nicht im Recht, sofern Recht eine Konvention, das Urteil der Majorität, die Stimme der "Menschheit" ist. Sein Recht war das Recht der aufsteigenden Macht, ein problematisches, noch illegitimes, noch unerhärtetes Recht, das erst zu erkämpfen, zu schaffen war. In seinen allerletzten Gründen war dieser ungeheuerliche Kampf ein Angriffskrieg: denn die junge, die aufsteigende Macht ist psychologisch genommen immer im Angriff.
Tatsächlich sah dieser damals schon große Unpolitische und spätere Kosmopolit nicht, daß Friedrich und Bismarck die beiden schlechtesten "Europäer" waren, die man sich denken konnte; daß man ohne Konventionen, ohne öffentliche Meinung, ohne irgendeine Art von Recht und Völkerrecht schon
des längeren nicht mehr leben konnte, trotz "Il Principe". Sonst hieße es wieder Wolf gegen Wolf, Dolch gegen Dolch.
Daß Bismarcks Reich weiter erobern müsse, beteuerte auch der große Soziologe Max Weber in seiner Antrittsvorlesung 1896, stellvertretend für die Heerscharen von Schulmeistern Pastoren, Professoren und sonstigen Geistesträgern. Man hat ihn den "heimlichen Gegenkaiser" der wilhelminischen Epoche genannt. Der Geist der Eroberung durchdringt auch große Geister.
1918, zwanzig Jahre nach Bismarcks Tod, brach sein Reich zusammen, wie Friedrichs Staat zwanzig Jahre nach dessen Tod unterging, "glorreich", wie Clausewitz 1807 schrieb. Die drei großen Demokratien schonten das Reich nicht. Ob verdient oder nicht, das Diktat von Versailles war nicht weise. Es war zu streng und zu milde zugleich und verwies die neue Republik auf irgendeine Revanche in Richtung Osten.
Aber wie sollte man auch mit einer Republik verfahren, deren späterer Chef der Heeresleitung der Reichswehr (1920 bis 1926), der General Hans von Seeckt, seiner Schwester unter dem 12. November 1917 schreibt:
Noch ist trotz allem im Heer der Preußengeist und Vasallentugend nicht verschwunden. Beides zu vernichten wird die Aufgabe unserer regierenden Parteien nach dem Krieg sein, und sie werden es erreichen, wenn nicht ein Wunder geschieht.
Schon wieder muß ein Wunder her, und das kam ja dann auch.
Wie Frieden schließen mit einem Volk, dessen geistvollster Scharlatan, Oswald Spengler, im Jahre 1933 schrieb:
Deutschland ist nur ein kleiner Fleck in einer großen und gärenden Welt, allerdings in entscheidender Lage. Aber es hat allein das Preußentum als Tatsache in sich. Mit diesem Schatz von vorbildlichem Sein kann es der Erzieher der "weißen" Welt, vielleicht Ihr Retter werden.
Die Bühne war seit 1916 dekoriert für den letzten Akt. Hindenburg und Ludendorff hatten im Osten gezeigt, wessen die deutsche Militärmaschine fähig war. Beide werden mit Hitler Hand in Hand gehen, der eine 1923 vor der Münchner Feldherrnhalle, der andere 1933 am "Tag von Potsdam".
Daß Deutschland besser keinen Zweifrontenkrieg mehr bestehen solle, daß uneingeschränkter U-Boot-Krieg gegen die Angelsachsen tödlich sei, hätte der Gefreite von den beiden Generälen lernen können. Er lernte statt dessen nur, daß Deutschland fähig sei, sich die Ukraine dienstbar zu machen und die Krim mit Tataren zu bevölkern.
Man muß fürchten, die gesamte Wehrmacht hätte ihn auch in Kenntnis der sich abzeichnenden "Endlösung" der sogenannten "Judenfrage" nach Rußland über den Ural begleitet, wenn sie den Sieg über die Sowjet-Union in der Tasche gehabt hätte (die üblichen Wenigen, der "heilige Rest", ausgenommen). Preußengeist und Hitler, wer sollte das noch auseinanderhalten. Das Attentat des 20. Juli 1944 wäre ohne verlorenen Krieg kaum probiert worden.
Wie alles bei anderer Personenkonstellation anders hätte kommen können, siehe Prinz Heinrichs "Fehlgeburt", besser oder schlechter, und ob überhaupt anders, läßt sich nicht sagen. Aber Bismarck steht schon deswegen auf den Schultern Friedrichs, weil die Eroberung Schlesiens Preußen erst zur Großmacht aufsteigen ließ.
Ob Friedrich dies Kunststück ohne die rücksichtsloseste Eigenliebe, ohne die grausamste Etablierung eines auf Eroberung angelegten Militärstaates, ob es ihm nur aufgrund seiner "Seelenstärke" (Ranke) hätte gelingen können, scheint schon recht zweifelhaft.
Es bedurfte aber auch der Tradition dieses eben "friderizianischen", auf Eroberung hin organisierten Machtstaates, um Bismarcks triumphierender Rechtsverachtung den Bau des Kaiserreiches zu ermöglichen. Sehr wohl kann man in einem überwiegend protestantischen deutschen Einheitsstaat eine Errungenschaft sehen. Ob er auch friedlich hätte errichtet werden können?
Hitler am "Tag von Potsdam" stand auf den Schultern des Königs wie des Kanzlers. Hatte er sich mit der Errichtung von Konzentrationslagern, mit der Einnahme Österreichs und Böhmens und mit den deutschen Ostgrenzen von 1914 begnügt, die England ihm auch noch konzediert hätte - man würde in seinem Wirken allenfalls die letzte Vollstreckung des Testaments Friedrichs des Großen sehen können.
Hier freilich scheiden sich die Geister. Einen Mann, der Moskau in einen See verwandeln und Leningrad durch Absenkung des Ladogasees "wegschwemmen" wollte, den konnten auch Friedrich und Bismarck sich nicht vorstellen; für den konnten sie nichts.
Deutschland hatte zu viele große Männer, denen die "Macht allein, eben die Macht des reinen jeweiligen Macht-Habenwollens" (August Buck), persönliches Lebensgesetz war (den zwar kriegerischen, aber bescheiden-sympathischen Moltke ausgenommen). Auch ohne Hitler wäre vermutlich noch ein Revanche-Krieg gekommen, Ausgang zu vermuten.
Der Historiker Andreas Hillgruber meint sogar, eine von Deutschnationalen und Stahlhelmern ganz ohne Hitler geführte Reichsregierung würde die "Nürnberger Gesetze" von 1935 und alle gegen die Juden gerichteten Maßnahmen bis zur entlarvend so genannten "Reichskristallnacht" eingeführt haben.
Hier wären Deutschnationale und Stahlhelmer wieder in der guten Tradition des "Aufklärers" Friedrich mit seiner damals längst nicht mehr zeitgemäßen Judenschikaniererei gestanden. Aber dies muß nun Spekulation bleiben. Man kann nicht, ich mag nicht glauben, daß Deutschnationale und Stahlhelmer sechs Millionen Juden ermordet hätten, in Gaskammern oder wie auch immer.
Helden und Vaterfiguren in einem, das waren Friedrich und Bismarck, aber Friedrich mehr als Bismarck. Hitler, der wohl die anhänglichste und fanatischste Gefolgschaft verbuchen konnte, war ein Mixtum compositum.
Alle drei hatten keine Vaterfigur, mit der sie sich zu deren Lebzeiten identifizieren
konnten. Aber Friedrich als König mußte sich mit dem toten Vater, der ihn in den Staub getreten hatte, von einem Tag auf den anderen identifizieren. Er tat es, mit Blick auf das nur durch die Wirtschaft des Vaters ihm vermachte starke Heer. Welche seelischen Brüche derlei verursacht, läßt sich nur ahnen.
Alle drei waren wohl zu ihren Hunden liebevoller als zu den Menschen. Am höflichsten zu seinen Domestiken war sicher Hitler . Daß er einen alten Diener mit dem Stock durchgeprügelt hätte, ist unvorstellbar.
Bismarck war und blieb der populärarrogante Gutsherr. Während Friedrich gern zusah, wie seine Deserteure zuschanden oder zu Tode geprügelt wurden, mußten für Hitler schon ganze Städte brennen. Aber Friedrich zerschoß 1760 ohne Grund die Kreuzkirche in Dresden, Hitler schonte Florenz.
Beide waren Despoten, "unerhört und grenzenlos" (Thomas Mann über Friedrich), wie sie die preußisch-deutsche Geschichte sonst nicht kennt. Aber während es unsereinem bei der grotesken Figur des Führers schwerfällt, die menschlichen Züge zu entdecken, hat man bei Friedrich Hemmungen, sich die egoistische Grausamkeit seiner Lebensauffassung so recht klarzumachen. Man kann sich bei ihm zuviel amüsieren.
Was der Friedrich-Fachmann Christopher Duffy in seinem neuen Buch über den Soldaten Friedrich schreibt, gilt für Bismarck wie für Hitler auch: "Unser Held tritt als Haupturheber von Gewalt in Mitteleuropa zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Erscheinung." Man muß nur dem 18. Jahrhundert die Mitte des 19. und die Mitte des 20. Jahrhunderts hinzufügen.
Friedrich hieß der Übermensch, "der Preußen auf die blutbefleckte Bahn wies, die zu seiner kurzen und niemals ungefährdeten Vorherrschaft über Mitteleuropa führte", so lautet der Schlußsatz des englischen Friedrich-Biographen George Peabody Gooch 1947.
Deutschland geteilt, Millionen Deutsche vertrieben, der Staat Preußen vernichtet, "Asien" in Berlin: Wie gesagt, das hat nicht so kommen müssen, Hitler war auch eine "Gottesdummheit" (Thomas Mann". Daß es so kommen konnte, kostete uns die Souveränität und unseren guten Namen.
Vom Großen König, soweit er nicht Legende ist, bleibt die kühne Eroberung Schlesiens, bleibt die Selbstbehauptung in vier Kriegen und 15 Schlachten, die er selbst gewann oder verlor ("Mourir en roi"); bleibt die exemplarische Lebensleistung eines in sich disharmonischen, zum Bösen geneigten und zum Bösen geprügelten Glücksprinzen und Schmerzensmannes.
Zweihundert Jahre ist er nun tot. Soll man ihn feiern?
[Grafiktext]
PREUSSEN UNTER FRIEDRICH DEM GROSSEN Preußen 1740 Erwerbungen Friedrich II.: Schlesien und Glatz 1742 Schwiebus 1742 Ostfriesland 1744 Westpreußen und Netzedistrikt 1772 Ermland 1772 Mansfeld 1780 Preußen 1740: 119000 qkm, 2,2 Mill. Einwohner Preußen 1786: 195000 qkm, 5,4 Mill. Einwohner
[GrafiktextEnde]
2. v. l.: Prinz Eitel Friedrich von Preußen, rechts von Gebühr Kronprinz Wilhelm auf einem "Fridericus-Abend" der Vaterländischen Winterhilfe des Frontkämpferbundes "Stahlhelm" in Berlin. Derselbe Ritter 1954: "Er hat damit den Grund für die Größe Preußens gelegt; und solange dessen Aufstieg dauerte, konnte seine Tat als gerechtfertigt vor der Geschichte erscheinen." Vor Beginn des Prozesses wegen Hochverrats vor dem Gebäude des Volksgerichts in München. "Friedrich II. in der Schlacht bei Zorndorf 1758", nach einem Gemälde von Carl Röchling; oben rechts: Eselskopf als Randbemerkung auf einem Aktenstück; unten: Bilderbogen 1895, auf Anregung Kaiser Wilhelms II. verfertigt, Originaltext: "König Friedrich II. von Preußen entgeht auf dem Rückzuge nach Schlesien auf einem Recognoscierungsritte durch seine Geistesgegenwart einer ihm persönlich drohenden Gefahr (1758). Friedrich zu dem auf ihm anlegenden Panduren: ''Du, du! - Du hast ja kein Pulver auf der Pfanne!''"
Von Rudolf Augstein

DER SPIEGEL 32/1986
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