Schrift:
Ansicht Home:
DER SPIEGEL

„Ja, wenn Hitler nicht Hitler gewesen wäre“

Rudolf Augstein über Sebastian Haffners Buch „Von Bismarck zu Hitler“ *
Es gibt Bücher, die sich selbst rezensieren, so interessant sind sie geschrieben. Und es gibt Rezensenten, die das interessanteste Buch langweilig machen, indem sie sich nur das ihnen Liebe und Allbekannte herauspicken, das sie auf ihren Historikertagungen bis zum Überdruß lahmreden.
So ist dem geschichtsmächtigen Zauberkünstler Sebastian Haffner, 80, das wahrlich unverdiente Unglück widerfahren, daß der Tagungs-Filibuster Michael Stürmer, 49 Jahre alt und Professor in Erlangen, Haffners Buch "Von Bismarck zu Hitler" _(Kindler Verlag, München; 336 Seiten; 36 ) _(Mark. ) in der - wo wohl? - "FAZ" besprochen und sogar gelobt hat.
"In tormentis pinxit", könnte über diesem brillanten, wenngleich unvollkommenen Werk stehen. Der große Mantel des Geschichtsfinders ist es, der dem Haffner umhängt und den ihm keiner nachschneidert. Made in Haffner.
So will ich denn möglichst kurz sagen, was ich für relativ uninteressant halte, und genau daran hat sich der Stürmer festgeklammert: daß es einen Mann namens Adenauer gegeben hat; daß die Deutschen nicht kriegerischer seien als andere Völker; daß der Große Kurfürst (Regierungszeit von 1640 bis 1688) Hitler nicht verursacht hat; daß es erst seit 1848 eine "Deutsche Frage" gibt (schon recht zweifelhaft); daß die Männer der Paulskirche 1948 den Nationalstaat in der Mitte Europas erstrebten und erstreben mußten; daß Bismarcks "zusammengemogeltes" (Fontane) Reich kaum eine Überlebenschance hatte; daß "die Deutschen" (?) die Entrechtung ihrer jüdischen Mitbürger "früh" (?) hingenommen hätten; und daß es ohne Hitler keinen millionenfachen Judenmord gegeben hätte.
Bis hierher: Im Westen nichts Neues. Das wüßten wir auch ohne Stürmer und ohne Haffner. Stürmer, nach Westen harmoniesüchtig, kommentiert Haffner: Es habe "viel Kontinuität" in der deutschen Geschichte gegeben. Bei Haffner liest man: "Die Kontinuitätselemente haben alles in allem überwogen."
Stürmer liest bei Haffner, "nachdrücklich": "Der Massenmord war keine Kriegshandlung, auch wenn er während des Krieges stattfand." Man muß und soll wohl denken: Alle Achtung, Nazigegner aller Länder, vereinigt euch!
Nichts gegen nachdrückliches Lesen. Aber leider hat Haffner diesen Satz zwar geschrieben, aber in einem entwaffnenden, entschuldigenden Kontext. Er glaubt ernsthaft, Hitlers Judenmord gehöre in die Geschichte des Zweiten Weltkrieges nicht hinein, seine Ausmordungspolitik habe ers 1941 in Rußland, nicht schon 1939 in Polen begonnen: ein blinder Fleck auf Haffners Landkarte.
Er ist sein eigenes Markenzeichen. Im Schwunge des Erzählens verfällt er aber manchem Irrtum.
Mit Stürmer glaubt er, die Außenpolitik ("Mittellage") sei das Schicksal, natürlich nicht "geostrategisch" gemeint; nur, wie denn sonst? Die "unglückliche Größe" macht er für den Zusammenbruch des Bismarck- wie des Hitler-Reiches verantwortlich. Aber das gilt dann für alle Großreiche, von Alexander über Napoleon bis zu Hitler, schlicht eine Banalität.
Bismarcks gravierende Fehler gegenüber Frankreich kennt er gut. Aber er verkennt die Wirksamkeit des "nationalen Schwindels" (Bismarck noch 1866), in dem dessen Bündnispolitik sich verfing.
Von den fünf Keulen, mit denen er jonglierte, fiel nicht nur Frankreich ihm aus den Händen - "die werden uns das doch nie verzeihen" -, sondern auch Österreich-Ungarn.
Das Schachbrett, von dem Bismarck spricht, muß umfiguriert werden. Er kann nicht nur von 64 _(Mit dem russischen Außenminister Giers ) _((l.) und dem österreichischhen ) _(Außenminister Graf Kalnoky. )
Feldern 16 nicht besetzen, sondern von 64 Feldern zwei Fünftel nicht. Ein "furchtbares Handi-Kap", wie Haffner mit Grund sagt.
Bismarck hat sich, laut Haffner, in eine "Intimität" mit den Habsburgern eingelassen, opportunistisch, wie er war. Nicht bedacht hat er, daß sein Reich sich von diesem deutsch-nationalen Bundesgenossen nur im Nibelungen-Untergang würde trennen können, und auch Haffner wird da etwas unscharf. Das Bündnis mit Wien, schreibt er, sei "vielleicht nicht als Dauereinrichtung gemeint" gewesen. Sicher nicht, aber darin lag eben Bismarcks zweite große Fehlbeurteilung.
Auch Haffner erkennt, daß Bismarck mehr ein Mann des 18. als des 19. Jahrhunderts war; daß er die Ausmaße seiner europäischen Revolution erst 1875, während der sogenannten Krieg-in-Sicht-Krise, erkannt zu haben scheint. Rußland und England, das eine ein relativ treuer, das andere ein potentieller Bundesgenosse, wiesen ihn damals etwas unsanft darauf hin, daß sie eine weitere Schwächung Frankreichs nicht hinnehmen würden. Und dabei hatte er doch nur seiner Lieblingsbeschäftigung nachgegeben, dem Drohen!
Von großen Männern und großen Entscheidungen ist bei Haffner viel, von den materiellen und traditionellen Strukturen (zu) wenig die Rede. Der Gedanke, mittelmäßige Männer oder Frauen hätten die Mitte Europas dauerhafter und glücklicher organisieren können, kommt ihm erst gar nicht, obwohl er uns im Fernsehen mit dem chinesischen Sprichwort vertraut gemacht hat: "Große Männer - großes Unglück."
Gab es Alternativen? Vielleicht ja. Ein gesunder Kronprinz, der auf England und das englische "Parlamentsheer" eine positive Energie verschwendet hätte, das wär''s gewesen. Aber dieser von seiner Frau, der "Princess Royal", beeinflußte 100-Tage-Kaiser Friedrich III. hat Bismarck gegen England nur aufgebracht. Er starb zu früh. Bismarck aber setzte auf die reaktionäre Einheit der drei Kaiser in Berlin, Wien und St. Petersburg.
Haffner sieht Bismarck beim Schulterschluß mit der k.u.k. Monarchie außenpolitisch agieren. In Wahrheit verkannte der große Mann, wie auch gegenüber dem Zentrum und den Sozialdemokraten, die Macht der Innenpolitik.
Hatte er auf dem von ihm selbst als Höhepunkt seiner Karriere angesehenen Kongreß in Berlin 1878 gegen seine "innerste Absicht" gehandelt, wie Haffner behauptet, so muß man sich denn doch fragen, warum? Für England hatte er positiv eigentlich nichts übrig, schon weil er die Partei des Kronprinzen für eine feindliche Macht ansah, und Rußland konnte er auf Dauer nicht mehr beschwichtigen.
An diesem äußerlichen Höhepunkt seiner Machtpolitik konnte Bismarck nur noch absteigen, ins "fast Frivole", wie Haffner mit Recht feststellt. Bismarcks Bankier Bleichröder hatte ihn, wenn auch ohne Erfolg, gewarnt, einen ehrlichen Makler könne man auf der ganzen Welt nicht finden.
Wir kennen alle Bismarckschen Düster-Ahnungen, und sie waren ja nur zu berechtigt. Nur, wie sollte der Mann, der sie allesamt verursacht hatte, ein Rezept finden? Irgendeinen Schuldigen muß es ja geben, und Stürmer bringt Haffner sogar noch zugute, er habe "nicht einmal die Industrialisierung aus Geist und Kraft des Kapitalismus", nicht einmal "hilfsweise", als "Schuldigen" herangezogen.
Aber da muß man schon wieder nachlesen. Haffner erzählt; er sucht keinen "Schuldigen", auch nicht "hilfsweise". Er spricht auch nicht von "Geist und Kraft", sondern von Industrialisierung und Kapitalismus. Nach Lenins Ansicht war dieser Kapitalismus "schuld" am Untergang des Deutschen Reiches, und Haffner hält Lenins Schuldthese schlicht für abwegig.
Im Schwunge des Erzählens läßt Haffner sich dann freilich nicht bremsen. Er sieht das Deutsche Reich an Frankreich und England grenzen, so daß auch Böhmen wie bei Shakespeare am Meer liegen könnte.
Er hält das Habsburger-Reich für keine Großmacht, oder wenn doch, dann für keine "deutsche Staatsbildung". So wäre denn Wallenstein kein deutscher Großunternehmer in Sachen "Militaria" gewesen? Und Preußen war doch seit 1815, auch laut Haffner, eine deutsche Großmacht?
Der Großmacht-Instinkt, sagt Haffner, war dem Deutschen Reich Bismarcks in seine Großmacht-Wiege gelegt worden (offenbar nach dem Motto "Urahne, Großmutter, Mutter und Kind"). Hier spricht er nicht von der "unglücklichen Größe", wie im Klappentext, sondern von der "ungeschickten Größe".
Es gab schon 1914, um es einmal brutal und ohne Haffner zu sagen, 20 Millionen Deutsche zuviel in Mitteleuropa. Sogar unsere Bundesrepublik, ohne die knapp 17 Millionen Staatsbürger der DDR, birgt in französischen Augen schon zuviel Wirtschaftskraft. Man muß fürchten, sie werde demnächst ein Partner sein, mit dem man rechnen muß; mit uns kann man, laut Mitterrand, rechnen. Sollte die Zeit so fern sein, wo man mit uns rechnen nicht nur kann, sondern auch muß?
Haffner, ein Zauberkünstler, kann die Zeit zwischen 1848 und 1862, kann Bismarcks
Innenpolitik, kann die Hitler-Vorzeit zwischen 1928 und 1933, kan den Bismarck-Charakter und den Hitler-Charakter lebendig machen. Man wird darüber nirgends kürzer und plastischer informiert als bei ihm. Hier liegen die Höhepunkte des 336 Seiten starken Buches. Aber schon was den Charakter von Hitler angeht, sind ja Zweifel angemeldet worden.
Haffner ist zu sehr ein Verehrer großer Männer und ihrer Außenpolitik, als daß er den Untergang des von Beginn an "todkranken" Reiches nicht der äußeren Lage und der "Außenpolitik" zugeschrieben hätte. Nur, wer machte die Außenpolitik nach Bismarcks Abgang? Und war er selbst zum Schluß nicht "fast frivol" gescheitert? Und entstand der Zweite Weltkrieg nicht aus dem Ersten?
Haffner ist und bleibt Außenpolitiker. Wie anders könnte er schreiben, Preußen seit 1813 habe "ein ähnliches Verhältnis zu Rußland gehabt wie heute die DDR zur Sowjet-Union"? Dies nun eben nicht. Haffner versteht die Außenpolitik. So macht er Bismarck denn auch den respektvoll begründeten Vorwurf (es wäre denn nach Elsaß-Lothringen und nach dem Berliner Kongreß der dritte), er habe sich zum Schluß seiner Amtszeit der sogenannten Mittelmeer-Allianz nicht angeschlossen, sie aber gleichwohl gefördert. War dies eine Gelegenheit?
Vielleicht ja, vielleicht nein. Bismarck hat das englische Parlamentssystem nicht nur nicht gekannt, sondern herzlich verachtet.
Es handelte sich bei dieser "Allianz" um eine Übereinkunft zwischen Österreich (Verbündeter), Italien (Verbündeter, solange England seine langen Küsten nicht bedrohte) und England (nicht Verbündeter), das ganze Arrangement zum Schutze der Dardanellen gegen Rußland. Wir erleben hier einen Bismarck, dessen Tradition von dem Geheimrat Holstein und den Reichskanzlern Bülow und Bethmann Hollweg fortgesetzt wurde. Haffner: _____" Er (Bismarck) hatte die deutsche Option zwischen " _____" England und Rußland immer aufrechtzuerhalten versucht, " _____" vielleicht sogar mit dem Hintergedanken, im schlimmsten " _____" Fall Österreich fallenzulassen und die alte " _____" deutsch-russische Gemeinschaft wiederherzustellen. "
Hier sieht man die drei außenpolitischen Fehler Bismarcks, die von seinen innenpolitischen Ansichten säuberlich nicht ganz zu trennen sind, in einem einzigen Satz: Demütigung Frankreichs für immer, Bündnis mit Österreich nicht für immer, aber doch für immer, stetige Abwendung von Rußland. Man darf das nicht für dilettantisch halten, es war höchste Drahtseilpolitik. Nur mußte jeder Nachfolge-Künstler abstürzen.
Um das Scheitern seiner Politik zu verdecken, schloß Bismarck den "fast frivolen" Rückversicherungsvertrag mit Rußland, der ihn nicht und den er nicht überleben konnte. Dies Gespinst war zu fein, zu niederträchtig. Beide Bismarcks, der Vater und der Staatssekretär des Äußeren (sein Sohn Herbert), wußten das.
Haffner wäre nicht, der er ist, wenn er sich nicht flamboyante Urteile erlaubte. Etwa: Preußen habe als Bremse, nicht als Motor im Deutschen Reich gewirkt; die hochkapitalistische Schweiz sei nie imperialistisch geworden; der Reichskanzler Bethmann Hollweg habe 1914 eine durchaus richtige Rechnung aufgemacht, als er glaubte, England aus dem europäischen Krieg heraushalten zu können, derselbe Kanzler, der Schlieffens Pläne kannte und der 1910, den kommenden Krieg im Auge, auf seinem Gut Hohenfinow keine Bäume mehr pflanzen ließ: "In ein paar Jahren stehen doch die Russen hier."
Haffner ist den Realitäten manchmal sehr nahe und manchmal sehr fern. Des Kaisers Order, 1914 den Aufmarsch gegen Westen binnen eines Tages gen Osten zu richten, hält er offenbar für eine technische Möglichkeit. Er attestiert der 2. Obersten Heeresleitung unter Falkenhayn "sparsamen Umgang mit menschlichen Reserven" - wofür dann wohl Verdun steht, die Blutmühle.
Er behauptet, und beweist uns nicht, die Berliner Regierung habe sich 1923 (Inflation) und 1932 (Arbeitslosigkeit) die soziale Katastrophe "absichtlich eingebrockt", "um die Reparationen loszuwerden", habe "die Not sogar absichtlich noch verschärft".
Er behauptet, Hindenburg sei bereit gewesen, Papen 1932 die Genehmigung zum Rundum-Staatsstreich zuzubilligen, was der Präsident aufgrund der Vorstellungen des Papen-Nachfolgers, des Generals Schleicher, eben nicht getan hat.
Ja, Haffner beschäftigt sich äußerst langmütig mit Hitlers Kriegserklärung an Roosevelts USA. Wo doch aus der Psyche Hitlers hervorgeht, daß dieser Führer zum Zeitpunkt der momentanen (in Wahrheit endgültigen) Niederlage vor Moskau den Eintritt Japans in den Krieg zu einem "Momentum movens" machen mußte, da er sich aus dem damals bereits de facto bestehenden Krieg mit den USA, ganz gegen sein Untergangs-Temperament, lange genug zurückgehalten hatte.
Hier liegt der Knackpunkt: Was denkt sich Haffner von Hitler (dessen Heraufkunft er uns so plausibel gemacht hat wie kein anderer vor ihm), wenn er behauptet, dessen "erster großer strategischer Fehler" sei gewesen, im Juni 1941 die Sowjet-Union zu überfallen? Das ist, als wollte man einem Sittlichkeitsverbrecher vorwerfen, er habe die Frau nicht nur erschlagen, sondern vorher auch noch vergewaltigt.
Hitlers einziger "strategischer Fehler" bestand darin, um jeden Preis den Krieg zu wollen. Sein "Verbrechen" hätte ihn in einer Klapsmühle enden lassen können oder, wie geschehen, in der Reichskanzlei. Auf kriegsverbrechenden Untergang war er programmiert.
Sein "Fehler" war nur, daß er den Krieg wollte und nicht die mitteleuropäische Hegemonie, die man ihm auf silbernem Tablett anbot und schwerlich einem anderen angeboten hätte. Haffners "Hitler ohne Hitler"-Spekulation bleibt bodenlos.
Ja, Gedanken kann man sich bei Haffner machen. Aber Michael Stürmer ist kein Stubengelehrter. Er pickt sich heraus,
was seiner Tagungsteilnehmer-Qualität dienen kann.
Ihn interessiert Heutiges, das Parallelogramm der Kräfte zwischen den USA, Frankreich und der Bundesrepublik. Er ist ein so gefürchteter Langredner, weil ihn die Last, die Bundesrepublik auf Adenauer-Kurs zu halten, und das auch noch im Ausland, sichtbar niederschmettert.
Aber Sebastian Haffner war 1952 und 1953 kein guter Europäer im Sinne Stürmers. Haffner, damals 45 Jahre alt, war wie ich ein "Neutralist", der wissen wollte, ob man die beiden deutschen Restbestandteile, mit West- und Ost-Berlin in der Mitten, nicht doch zum Frieden hin hätte vereinigen können. Für Tagungsteilnehmer ist solch ein Gedanke ein Greuel, denn vor allem steht ja fest, daß die Rest- und Westdeutschen, wie auch die im Osten, niemals mehr über ihr Schicksal selbst bestimmen dürfen.
Nun, haffner entschuldigt sich in einem Quasi-Nachwort für sein damaliges Engagement. "Im wesentlichen", so schreibt er, habe der Neutralismus "im publizistischen Sektor stattgefunden" - was stimmt, er war Neutralist, und ich war es. Aber so "matt", wie Haffner das im nachhinein sieht, kann der Widerstand nicht gewesen sein.
Schlagen wir die Seite 97 dieses vertrackten Buches auf, wo Haffner sich mit dem Tirpitz-Argument beschäftigt, England müsse "kommen", so oder so. Da unsere Flotte jetzt erst auf dem papier steht, wird England so oder so "kommen", wenn wir zur See noch stärker geworden sind. Hierzu Haffner wörtlich: _____" Eine Argumentation, die merkwürdig an viel spätere " _____" Zeiten erinnert, nämlich an die Deutschlandpolitik Konrad " _____" Adenauers. Als Rußland im Jahre 1952 auf den " _____" bevorstehenden deutschen Beitritt zum westlichen Bündnis " _____" hin das Angebot einer Wiedervereinigung im Austausch " _____" gegen Neutralität machte, argumentierte Adenauer damit, " _____" daß die Russen, wenn sie jetzt schon solche Angebote " _____" machten, später noch viel bessere machen würden, wenn man " _____" erst stärker geworden sei. Es handelt sich hier offenbar " _____" um eine wiederkehrende Neigung deutschen außenpolitischen " _____" Denkens, den Augenblick beginnender oder auch nur " _____" bevorstehender Stärke zu überschätzen und zu glauben, es " _____" werde immer geradeaus weitergehen. Nie bedenken sie, es " _____" könne auch einen Umschlag geben, wenn das zunächst nur " _____" Drohende Wirklichkeit würde: Vorbeugende Konzilianz könne " _____" dann in Feindschaft umschlagen. "
Es ist die "Politik der Stärke", die haffner hier glossiert. Derselbe Haffner wünschte 1961 Atomwaffen für die Bundeswehr. Solche Forderungen konnte er damals nur bei Springer publizieren.
Er verließ die "Welt", weil Springers Blätter nach seiner Ansicht während der SPIEGEL-Affäre 1962 versagt hatten. Kein Karriere-Historiker, aber, ob er uns noch seine Memoiren schafft oder nicht, ein genialer Geist. Wir werden seinesgleichen nicht mehr sehen.
Kindler Verlag, München; 336 Seiten; 36 Mark. Mit dem russischen Außenminister Giers (l.) und dem österreichischhen Außenminister Graf Kalnoky.
Von Rudolf Augstein

DER SPIEGEL 14/1988
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung