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COMPUTERSPIELE

Verstärkt nackt Porno-Disketten für den

Heimcomputer - der neue Renner auf Schulhöfen.

Für Gerhard Adams, den stellvertretenden Vorsitzenden der "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften", ist es "eine bedenkliche Entwicklung, aber keine Überraschung": Beim berufsbedingten Durchblättern von Computerzeitschriften hat der Bonner Beamte feststellen müssen, daß dort "verstärkt der Bereich der Nacktdarstellung beworben wird".

Da zeigt "Pam aus Kalifornien" laut Inserat "alles, was sie hat"; angeboten werden "Sexy Games" ("toller Sound, heiße Szenen"), die "in jede Sammlung von Sexy-Programmen gehören"; und als atemraubende "Bearbeitung nach dem berühmten Roman" empfiehlt sich "Emanuelle" - geeignet "für alle Heimcomputer".

Vorbei die Zeiten, als pubertäre Schaulust noch aus Vaters Bücher-"Giftschrank" oder mit den vermeintlich gut verborgenen Porno-Videos gestillt werden mußte. Am Terminal tastet sich die Jugend '88 an die letzten Wahrheiten heran: Auf den Homecomputer-Schirmen zwischen Flensburg und Vilshofen wird kopuliert, was der Speicher hergibt. Wurde die Hardcore-Software bisher meist von Hobby-Programmierern gefertigt, sieht die Bundesprüfstelle jetzt auch "Anzeichen, daß kommerzielle Anbieter stärker in den Markt rücken".

Und mancher bundesdeutsche Minderjährige, der die Eltern mit seinem Computereifer glücklich macht, verbringt in Wahrheit die Rechnerzeit damit, nur mit Helm bekleidete "Fickinger" gegen Normanninnen antreten zu lassen, oder er sorgt dafür, daß es bei "Tommies Super Sex Show" rundgeht.

Frappierend ist die Detailtreue beim Rechner-Sex, wie sie etwa an der schamhaargenauen Darstellung in dem Computerspiel "Porno" deutlich wird. Jugendschützer Adams: "Die Bild- und Tonqualität dieser Programme übertrifft oft schon das, was wir von einschlägigen Videofilmen gewohnt sind."

Ermöglicht hat den Trend zur digitalen Pornographie die gegenüber den ersten Heimcomputern vielfach potenzierte Leistungsstärke der neuen Heimrechner-Generation. Die Vorlagen - Porno-Magazine oder -Videos - werden elektronisch abgetastet und digitalisiert, in computerlesbare numerische Werte umgewandelt. Bei der anschließenden "Animation" kann der Programmierer dann seiner Phantasie freien Lauf lassen: Wenige Routinebefehle genügen, um die einschlägigen Bewegungen und Originaltöne zu erzeugen oder zu variieren.

Im Gegensatz zu den handelsüblichen Video-Pornos verlangt die fertige High-Tech-Pornographie den teilnehmenden Beobachter: Mit dem "Joystick" (deutsch: Lustknüppel) kann er das Bildschirmgeschehen beeinflussen. So fordert beispielsweise das Porno-Programm "Girls they want to have fun" den Spieler auf, einer Maid auf dem Monitor bei der Selbstbefriedigung zur Hand zu gehen.

Allein 15 solcher "sozialethisch desorientierenden" Doktorspiele auf Diskette verzeichnet schon die Bonner Bundesprüfstelle auf ihrem "Index jugendgefährdender Schriften", die meisten mit dem Vermerk "Hersteller unbekannt". Zu haben ist die Porno-Software teils offen im Handel, teils im Disketten-Tausch auf dem Schulhof.

Jugendschützer Adams: "Wenn irgendwo ein neues Programm erscheint, geht das als Kopie innerhalb von vier Tagen durch die Republik." Die Behörde, so der Beamte, sei hilflos, "wenn nicht auch die Eltern darauf achten, was ihre Kinder da mit dem Computer anstellen. Ohne die Eltern können wir kaum präventiv arbeiten".

Doch denen bleibt der Zugriff auf die erogenen Zonen des Heimrechners in der Regel verwehrt, moralisch wie technisch. "Por No? Interessiert mich nicht", meint der 16jährige Carsten aus Berlin, dessen Lieblingsprogramm "Strip Poker" eine besondere Raffinesse zu bieten hat: "Wenn meine Mutter reinkommt, drück' ich den Eltern-Schutzschalter. Dann ist der Bildschirm schwarz." Freiwillige Selbstkontrolle ist für die oft selbst noch jugendlichen Produzenten allenfalls Anlaß zu witzeln: "Strengstes Verbot für alle Jugendlichen unter zwei Jahren", heißt es etwa im Vorspann der Computer-Show "Sex Movie" ("Copyright by RCS Berlin").

Ohne Ansehen des Alters befriedigt auch der Geräte-Elektroniker Andy, 22, aus Berlin-Kreuzberg die Nachfrage der forschenden Jugend. Den Produzenten von "Andy's Porno show" - Spezialität: Analverkehr - reizt dabei "nur die technische Umsetzung, ich steh' nicht auf so was". Die bevorzugten Stellungen seien "nun mal auf den Video-Vorlagen in Zeitlupe zu haben - da ist die Animation dann leichter." Rund 600 Interessenten hätten schon die bundesweit vertriebene Bumsware telephonisch bestellt - "hauptsächlich Kinder und Bayern".

Auch mit seinem neuesten Produkt ist Andy ("Ein gut gemachter Porno ist wie eine Visitenkarte für den Programmierer") in eine Marktlücke gestoßen: "Ich liefere nur noch den Programmrahmen, in den die Leute ihre eigenen Bilder einsetzen können."

Das Geschäft mit der computerunterstützten Pornographie geht seitdem noch besser, denn, so hat Andy bald festgestellt: "Besonders jungen Ehepaaren sind die normalen Konsum-Pornos oft zu langweilig." #

DER SPIEGEL 46/1988
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