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DER SPIEGEL

Neues von Czerni

Der damalige Ost-Berliner Rechtsanwalt und spätere Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirchen, Lothar de Maiziere alias "Czerni", hat zwischen 1981 und 1989 offenbar doch engeren Kontakt zur Staatssicherheit gepflogen, als er bisher zugeben wollte. Aus einer erst jetzt aufgetauchten Akte der Abteilung XX/4 der Stasi-Bezirksverwaltung, zuständig für Kirchenfragen, geht hervor, daß "Czerni" am 19. Oktober 1981 über ein Gespräch mit Pfarrer Rainer Eppelmann berichtete. Er lieferte seinem Führungsoffizier, Hauptmann Edgar Hasse, eine lange politische Einschätzung sowie ein Psychogramm des Dissidenten ("kleinbürgerliches Geltungsbestreben"). Eppelmann hatte damals einen Brief an SED-Chef Erich Honecker geschrieben ("Es ist 5 Minuten vor 12") und dem Stern ein Interview gegeben - über die Hintergründe rapportiert "Czerni" detailliert: "In vertrauter Umgebung ist Eppelmann relativ redselig." Für seine Dienste erhielt IM Czerni laut "Operativgeldabrechnung" am 1. Oktober 1987 eine "Prämie" von 1000 Mark.

DER SPIEGEL 9/1992
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