Am BKA vorbei
Auf eigene Faust wollte der hessische Verfassungsschutz im Spätsommer vergangenen Jahres führende Terroristen der "Rote Armee Fraktion" (RAF) fassen. Der frühere V-Mann Siegfried Nonne hatte damals ausgesagt, er habe die Mörder des Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen beherbergt. Dabei soll die mutmaßliche Terroristin Andrea Klump den Namen eines linken Frankfurter Anwalts als "Kontaktadresse" genannt haben. Ohne das Bundeskriminalamt zu informieren, zapften die Staatsschützer die Telefone des Anwalts an und ließen Nonne, getarnt durch zwei Zeugenladungen des Generalbundesanwalts, bei ihm vorsprechen. Zu der erhofften Kontaktaufnahme zwischen der RAF und dem Juristen kam es jedoch nicht. Die wochenlange Observation verzögerte statt dessen die Fahndung nach den Attentätern. Die Lauschaktion genehmigte nicht, wie es das Gesetz vorsieht, ein Richter, sondern der Geheimdienstausschuß des hessischen Landtages - ohne die Zusammenhänge zu kennen. Am vorigen Donnerstag sagte Nonne zudem aus, er habe den Verfassungsschutz zehn bis zwölf Tage vor dem Mord an Herrhausen vor dem Anschlag gewarnt.
