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DER SPIEGEL

Wenig Angst vorm KGB

Das Image des Geheimdienstes KGB, der gerade erst in einen Auslandsnachrichtendienst und eine Sicherheitsagentur der Russischen Föderation zerlegt wurde, ist zu Hause weit besser als im Ausland. Nur 20 Prozent aller Russen haben nach einer Umfrage des Moskauer Instituts für Soziologie wirklich Angst vor den "nächsten Nachbarn", wie die Spitzelfirma von den Bürgern genannt wird.
Lediglich ein Drittel der Befragten äußerte sich eindeutig ablehnend. Die überwiegende Mehrheit hat ein positives Bild von den "untadeligen" KGB-Profis (62 Prozent).
Mehr als die Hälfte der Befragten sieht Rußland nach wie vor von Feinden, zumindest von unfreundlichen Nachrichtendiensten, bedroht. Nur jeder fünfte fordert, die Namen der inländischen KGB-Agenten publik zu machen - und dies, obwohl jeder vierte Russe zu wissen glaubt, daß er vom KGB bespitzelt wird.
Doch den meisten gelten das KGB und seine Nachfolge-Organisationen als einzige noch halbwegs unkorrumpierte Macht im Staat, die Mafia, Drogenhändler und Terroristen überwachen könne. Ein Irrglaube: Interne Gutachten von ehemaligen KGB-Leuten belegen, daß sich Geheimdienstler und Mafiosi mehr und mehr zur eigentlichen Macht im Staate zusammenschließen.
Die neuen Herren Rußlands freut das Vertrauen zu den Staatsschützern: Der Chef der föderativen Sicherheitsagentur Rußlands, General Wiktor Barannikow, möchte in seiner Behörde schon bald 99 300 Mann beschäftigen - fast doppelt so viele wie im alten KGB.

DER SPIEGEL 9/1992
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