Schonung für Gaddafi
Der Plan der US-Regierung, Libyens Revolutionsführer Muammar el-Gaddafi wegen seiner angeblichen Verwicklung in den Bombenanschlag auf den PanAm-Jumbo im Dezember 1988 wirtschaftlich wie diplomatisch weiter zu isolieren, stößt im Washingtoner Außenministerium auf wachsende Bedenken. Die Angst Gaddafis vor einem militärischen Vergeltungsschlag führte zu erstem Entgegenkommen bei der Aufklärung des Attentates: Vergangene Woche wurden die beiden Verdächtigten Amin Chalifa Fuheima, 35, und Abd el-Bassit Ali el-Mikrahi, 39, einem libyschen Richter vorgeführt; ihre Auslieferung an die USA lehnt die libysche Führung jedoch weiter ab. Washingtoner Spitzenbeamte warnen nun davor, den unberechenbaren Revolutionsführer noch weiter unter Druck zu setzten: Wirtschaftssanktionen und internationale Ächtung könnten Gaddafis Stand im eigenen Land schwächen und seinen gefährlichsten innenpolitischen Gegnern, den islamischen Fundamentalisten, zur Machtübernahme verhelfen. Der Vormarsch der Eiferer in Nordafrika bereitet Washington größere Sorgen als die Herrschaft des alten Amerika-Widersachers. Ein US-Diplomat: "Wenigstens ist Gaddafi ein Bollwerk gegen die Islamisten."
