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DER SPIEGEL

Mit dem Knüppel gemalt

Kunst, sagt Maxim Kantor, sei "die Geschichte von Menschen und deren Schicksalen". In harten neo-expressionistischen Bildern erzählt der russische Maler von Angst und Verzweiflung, Einsamkeit und Unterdrückung. Oder von Gewalt, die aus Not entsteht, wie in seinem Gemälde der wilden, gierigen Krähen, die mit Schnäbeln und Klauen um den besten Platz an der Mülltonne kämpfen. Kantor, 34, gehört zu den Künstlern, die jahrelang nur heimlich ausstellen konnten: bis die Perestroika kam, und mit ihr die westlichen Kunstkenner. Die erklärten Kantor zum Nachwuchsstar. Mittlerweile ist der Begeisterungssturm über die jungen Russen abgeflaut, aber die Arbeiten des Moskauers halten einem zweiten Blick stand. Der ist jetzt im Museum Bochum möglich, das Kantor bis zum 26. April eine große Ausstellung widmet. Der Erfolg hat seine Bilder nicht versöhnlicher gemacht. "Manchmal", sagt Kantor, "nehme ich den Pinsel in die Hand, wie man einen Stein oder einen Knüppel nimmt."

DER SPIEGEL 9/1992
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