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DER SPIEGEL

MODERNES LEBENTuntenlook statt Tupperparty

Guter Geschmack, klare Schnittführung, edles Material - die modephilosophischen Kategorien der Jil-Sander- und Armani-Schule haben just auch weniger betuchte Kreise erreicht, da platzen internationale Designer mit einer Schocknummer auf die Laufstege: Der Vamp, die Königin der ordinären Entblätterung, ist wieder angesagt. Haute-Couture-Häuser wie Chanel, Lacroix oder Thierry Mugler putzen ihre Models mit Strapsen, schwindelnd hohen Stilettos und BH-Winzlingen zu besseren Porno-Queens auf. Schluß mit der androgynen Welle, verkündete der britische Independent. Nach den entsexualisierten Achtzigern locke nun das "Weib total". Verantwortlich für dessen Renaissance zeichnen wieder mal Männer: Die Lust am Sexysein haben die Frauen angeblich nur entdeckt, weil Transvestiten vorgestöckelt haben, wie man erotisch provoziert und sich aufdringliche Kerle dennoch vom Leibe hält. In New York und Paris erreicht der Tuntenlook die Schickeria. Vamp-Feten, verkündet das Modemagazin Allure, seien "die Tupperpartys der Neunziger".

DER SPIEGEL 9/1992
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