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DER SPIEGEL

MODERNES LEBENRückzug in die Riecher-Ecke

Wer kulinarisch up to date sein will, bestellt im Cafe Zitronengrastee oder einen Aufguß aus Verbenen. Als Menü wählt der moderne Genießer die Küche der Thais - denn die ist "frisch, exotisch und macht einen intelligenten Gebrauch von Kräutern". Patricia Wells, 45, eine der führenden Pariser Gastronomiekritikerinnen, stellte Mutmaßungen über die Speisetrends der neunziger Jahre an. Der Mensch wird bodenständiger, sagt sie, und sucht nicht mehr die teuren Restaurants der Sterne-Küche auf. Er speist lieber nett im Lokal um die Ecke. Der Esser der Zukunft, meint Frau Wells, reagiert auch allergisch auf störende Düfte. Nachdem Raucher in vielen Restaurants nur noch im Separee qualmen dürfen, gehe es demnächst gegen die Parfümierten: Wer zu aufdringlich das Odeur von "Chanel No. 5" oder "le Dix" von Balenciaga verströmt, muß sich dann in eine Riecher-Ecke zurückziehen. Sein Aroma stört sonst die Geschmacksnerven bei dem Fleischgang mit den "Herbes de Provence".

DER SPIEGEL 9/1992
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