Mercedes
Gründe für Lothringen
Weltweit hatten sich über 70 Städte als Standort für den geplanten Bau des Öko-Autos beworben, das Mercedes gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmer Nicolas Hayek bauen will. Als vergangene Woche durchsickerte, daß die Mercedes-Manager offenbar das lothringische Hambach favorisieren, brach Protest - von Betriebsräten bis hin zu einflußreichen CDU-Politikern - aus. Aller Voraussicht nach wird sich der Konzern, der seine Entscheidung am Dienstag dieser Woche fällt, nicht umstimmen lassen. Die Empörung über den französischen Standort ist wenig verständlich: In Lothringen, wo der spritsparende Zweisitzer montiert werden soll, werden nur 2000 Arbeitsplätze geschaffen, weit weniger als in Deutschland. Von knapp 7000 Jobs, die bei Zulieferern für Hambach entstehen sollen, entfällt mehr als die Hälfte auf bereits bestehende Mercedes-Fabriken in Deutschland. Die Stuttgarter votieren für Hambach, weil dort Lohn- und Energiekosten rund ein Drittel günstiger sind als jenseits des Rheins; der lothringische Ort liegt zudem günstig zu den Entwicklungszentren in Stuttgart und im schweizerischen Biel. Auch wichtige Zulieferer und die künftigen Absatzmärkte sind gut erreichbar - gerade Franzosen bevorzugen Kleinwagen aus heimischer Produktion. Zweite Wahl der Mercedes-Manager sind ein Ort bei Eisenach und die französische Atlantik-Stadt La Rochelle. In Hambach kommt Mercedes billig an Gelände - ab drei Mark pro Quadratmeter.