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DER SPIEGEL

VerlageSchonzeit für Stalin

Der Bestseller "Bloodlands" des amerikanischen Historikers Timothy Snyder – inzwischen in mehr als 25 Sprachen veröffentlicht – wird vorerst doch nicht in Russland erscheinen. Der Moskauer Verlag Eksmo hatte zwar 2010 die Rechte gekauft, das Werk über die Verbrechen Hitlers und Stalins sofort übersetzt und in Satz gegeben – dann aber erklärt, er verspreche sich von der Herausgabe wirtschaftlich keinen Erfolg und werde das Buch nicht drucken. In "Bloodlands" beschreibt Snyder, wie Stalin Anfang der Dreißigerjahre rund fünf Millionen Menschen verhungern ließ und dann in der Ukraine und Weißrussland Zehntausende Polen umbrachte. Solche Fakten sind in Putins Russland unbeliebt; der Grund, warum Snyder nicht gedruckt wird, ist daher vermutlich vorgeschoben. Die 3000 geplanten Exemplare des Snyder-Buchs dürften allerdings kein allzu großes geschäftliches Risiko dargestellt haben – Eksmo ist Russlands größter Verlag und druckt jährlich 60 Millionen Bücher. Damit russischsprachige Leser doch noch die Erkenntnisse Snyders über Stalin und Hitler lesen können, hat jetzt ein ukrainischer Verlag eine Übersetzung ins Netz gestellt.
Von Cne

DER SPIEGEL 33/2015
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