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RusslandStalin verurteilen – oder ehren?

62 Jahre nach dem Tod des Diktators Josef Stalin ringen die Russen um dessen historische Bedeutung. Der Föderationsrat diskutiert gerade über ein Gesetz, das die Verharmlosung des Stalinismus unter Strafe stellen soll. Der Entwurf wurde von einem Senator der Putin-Partei "Einiges Russland" vorgelegt und erinnert an deutsche Gesetze, die das Leugnen des Holocaust und die Verherrlichung des Nationalsozialismus verbieten. Präsident Wladimir Putin hat unterdessen den Bau eines Denkmals für die Opfer des Stalin-Terrors im Zentrum von Moskau angeordnet. Im Gulag-Straflager-System waren bis zu 30 Millionen Sowjetbürger zur Zwangsarbeit verurteilt, Millionen starben. Die Initiativen spiegeln die widersprüchliche Vergangenheitsbewältigung innerhalb der Moskauer Machtelite wider: Putin hat Stalins Repressionen wiederholt verurteilt. "Doch er greift ständig auf Symbole stalinscher Großmachtpolitik zurück, auf pompöse Militärparaden, die sowjetische Nationalhymne und paramilitärischen Unterricht in der Schule", kritisiert der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow. Die Kommunisten fordern derweil ein Museum, das Stalins Verdienste würdigt, und veranlassten, dass in den Provinzmetropolen Pensa und Lipezk Stalin-Denkmäler errichtet wurden.
Von Mas

DER SPIEGEL 40/2015
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