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DER SPIEGEL

UrlaubWohin kann man denn noch fahren, Herr Lohmann?

Martin Lohmann, 59, Professor für Psychologie und Tourismusforschung, über Reiseziele in Zeiten der Terrorgefahr
SPIEGEL: Herr Lohmann, Länder wie Ägypten oder Tunesien waren bei deutschen Urlaubern selten so unbeliebt wie in diesem Winter. Einige Reiseanbieter melden nur halb so viele Buchungen wie im Vorjahr. Regiert die Angst vor Terroranschlägen?
Lohmann: Das könnte man denken, aber in Wahrheit liegt es vor allem an den Veranstaltern, die vorauseilend weniger Reisen in diese Länder anbieten. Wer auf Djerba Sonne tanken oder eine Nilkreuzfahrt machen wollte, muss jetzt auf Mallorca oder Zypern ausweichen.
SPIEGEL: Die Nachfrage für Reisen nach Nordafrika wäre also eigentlich da?
Lohmann: Die Macht der Terroristen wird häufig überhöht, zum Beispiel durch Nachrichtenbilder von leeren Stränden. Tatsache ist: Wenn es zu einem Anschlag kommt, hat das meist nur Auswirkungen für ein paar Wochen, danach geht alles wieder seinen Gang. Die Deutschen lassen sich ihren Urlaub nicht so einfach nehmen. Wir reisen wie die Blöden, auch in Krisenländer.
SPIEGEL: Ist das naiv?
Lohmann: Naiv wäre zu glauben, der Terror könnte einen nicht auch in New York, Paris, London, Oslo oder Madrid treffen. Auch dort gab es Anschläge, aber deshalb sind kaum weniger Menschen dorthin gereist.
SPIEGEL: Heißt das, Touristen vergessen zu schnell?
Lohmann: Nach dem 11. September 2001 wurden weltweit Einbrüche im Tourismus erwartet. 2002 waren dann aber mehr Urlauber unterwegs als je zuvor. In den letzten 30 Jahren ist die Zahl der Reisenden durch keine Katastrophe zurückgegangen, nicht mal durch Tschernobyl.
SPIEGEL: Die Deutschen galten lange als Reiseweltmeister.
Lohmann: Das ist vorbei, die Chinesen haben uns überholt. Trotzdem unternehmen wir pro Jahr rund 70 Millionen Reisen und geben dafür mehr als 65 Milliarden Euro aus.
SPIEGEL: Wo sind Sie zuletzt gewesen?
Lohmann: Im Königreich Bhutan. Und in Südtirol, zum Wandern.
Von Rel

DER SPIEGEL 7/2016
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