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DER SPIEGEL

WirecardShort Seller auf der Flucht

Für viele Spekulanten, die auf einen Kurssturz des Technologiekonzerns Wirecard gewettet haben, wird es eng. Am 24. Februar hatte eine unbekannte Gruppe unter dem Namen Zatarra Research im Internet einen Bericht mit Vorwürfen gegen Wirecard veröffentlicht. Wirecard vermutete eine gezielte Attacke. Zuvor hatten Hedgefonds in großem Stil Wetten auf fallende Kurse, sogenannte Leerverkäufe, abgeschlossen. Nach der Publikation schlossen sich zahlreiche weitere Anleger den Leerverkäufern an. Zatarra leugnete eine Zusammenarbeit mit den Hedgefonds. Bis zu einem Viertel aller Wirecard-Aktien waren zeitweise an solche Short Seller verliehen, die die Papiere verkauften – in der Hoffnung, sie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger nachkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen zu können. Doch seit dem Kursrutsch im Februar und März ist die Wirecard-Aktie um fast 30 Prozent gestiegen. Wer erst nach der Zatarra-Attacke auf einen Absturz gewettet hat, wie etwa die Hedgefonds Falcon Edge, Miura, TT International und Thunderbird, verzeichnet zumindest auf dem Papier hohe Verluste. Je höher der Kurs steigt, desto mehr Hedgefonds sind gezwungen, die Aktien zu kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen, was den Kurs weiter treibt. "Wir sehen, dass eine solche Eindeckung begonnen hat, etwa zehn Prozent der Short Seller haben in den vergangenen Wochen die Flucht ergriffen", sagt Simon Colvin von der Marktanalysefirma Markit. Noch hätten aber viele Fonds, die zu höheren Kursen eingestiegen waren, einen Puffer.
Von Mhs

DER SPIEGEL 23/2016
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