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DER SPIEGEL

USAHätte, hätte

Was haben wir falsch gemacht? Das ist eine der wichtigsten und unwichtigsten Fragen der Politik. Wichtig, weil man aus Fehlern lernen sollte. Unwichtig, denn: Verloren ist eben verloren. "What Happened" hat Hillary Clinton ihr heiß erwartetes Buch über den verlorenen Präsidentschaftswahlkampf gegen Donald Trump genannt. Und auch wenn es eigentlich erzählt, was in diesen verrückten anderthalb Jahre aus Sicht von Clinton passiert ist – in Wirklichkeit ist es natürlich ein therapeutisches Werk, das die Fehler und Probleme katalogisiert, die einzeln vermeidbar gewesen wären und zusammen dazu führten, dass Trump US-Präsident wurde und Clinton nicht. Die E-Mail-Affäre, die unterschätzt wurde. Die mangelnde Aufmerksamkeit, die sie den Arbeitern widmete, deren Stimmen die Wahl in einigen Staaten entschieden. Der Einfluss, den die Russen nahmen. Der Kampf mit Bernie Sanders. Clinton ist selbstkritisch, zerknirscht und kämpferisch, wenn sie davon erzählt. Sie will die Niederlage verstehen, um sie hinter sich zu lassen. Die entscheidende Einsicht versteckt sich allerdings in einem Nebensatz. "Wir mussten die Clinton-Müdigkeit bedenken", räumt sie ein. Nicht gemocht zu werden – das war leider kein Fehler, der sich hätte vermeiden lassen.
Von Rap,

DER SPIEGEL 38/2017
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