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AFGHANISTAN

Zwiebeln statt Mohn auf den Feldern

Fachleute der Uno sind mit einem erstaunlichen Befund aus Afghanistan zurückgekehrt: In dem seit über zwei Jahrzehnten vom Bürgerkrieg verheerten Land am Hindukusch, so die Beamten, gehe die Herstellung von Opium drastisch zurück. Die Uno-Kontrolleure bereisten die vier bislang wichtigsten Mohn-Anbauprovinzen Helmand, Kandahar, Oruzgan und Nangarhar, auf deren Feldern voriges Jahr der Rohstoff für 86 Prozent der afghanischen Opiumproduktion gestanden hatte. Nun aber seien die Mohnpflanzen wie vom Erdboden verschwunden, behaupten die Inspektoren des Drogenkontrollprogramms UNDCP. Der größte Teil der Anbaufläche sei mit Weizen und Zwiebeln bestellt. Hintergrund der überraschenden Enthaltsamkeit soll ein Dekret des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar sein, der den Mohnanbau inzwischen als "unislamisch" brandmarkt.

Dabei war die Opiumgewinnung lange die beste Einnahmequelle der islamistischen Taliban: Das Rohopium wurde in speziellen Laboratorien zu Heroin umgewandelt und zum Verkauf ins Ausland geschafft - mit 4600 Tonnen bestritt Afghanistan drei Viertel der Weltopiumherstellung.

Den Optimismus der Uno-Leute teilen Diplomaten im benachbarten Pakistan nicht. Sie halten die Anti-Opium-Kampagne für einen Trick der Gotteskrieger, die auf internationale Anerkennung und wirtschaftliche Hilfe hoffen und die Uno-Sanktionen gegen ihr Regime zu Fall bringen wollen. Bei Bedarf würde die Mohnproduktion durch die Taliban umgehend wieder hochgefahren, heißt es in Islamabad. Die Heroinlager seien derart gefüllt, dass sich die Preise wegen des Hortens inzwischen mehr als verdreifacht hätten. Opium galt für die Bauern bisher als wichtiges Zahlungs- und Kreditmittel in Afghanistan. Wegen des Pachtzinses sind sie bei den Landbesitzern verschuldet. Um zu überleben, verkaufen viele sogar ihre minderjährigen Töchter - für drei Zentner Weizen je Mädchen.

DER SPIEGEL 9/2001
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