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FOTOGRAFIE

Der Blick des Malers

Seine Bilder und Zeichnungen zeigen die hässlichen Deutschen der Weimarer Republik: glatzköpfige Militärs, stiernackige Spekulanten oder grell geschminkte Huren. Doch George Grosz (1893 bis 1959) hatte noch eine andere, weniger bekannte künstlerische Leidenschaft: die Fotografie. Als er 1932 von Studenten für eine Meisterklasse in die USA eingeladen wurde, kaufte er sich vor Antritt der Schiffspassage eine Leica. An Bord traf der Foto-Novize einen Mitreisenden, der dasselbe Kameramodell besaß und den Maler in die Grundlagen der Lichtbildnerei einwies. Von dieser USA-Reise des Künstlers sind inzwischen 200 Kontaktabzüge aufgetaucht. 60 Aufnahmen davon hat Ralph Jentsch, 57, der Nachlassverwalter von George Grosz, in einem aufwendigen Verfahren restaurieren und vergrößern lassen. Von Freitag dieser Woche an sind die Arbeiten (bis zum 15. September) in Berlin zu sehen, am Potsdamer Platz im Haus Huth. Sie beweisen, dass der Anfänger Grosz keineswegs ein knipsender Tourist wie andere war: Zwar fotografierte auch er seine Mitreisenden und dokumentierte die Kuriosa New Yorks, aber er hatte dabei - so der Titel der Schau - "Das Auge des Künstlers".

DER SPIEGEL 30/2002
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