ATOMENERGIE
Umstieg im Ausstieg
SPIEGEL: Frau Gönner, in Ihrer Partei kommen Forderungen auf, den von der rot-grünen Bundesregierung betriebenen Atomausstieg umzukehren. Sollen in Deutschland künftig wieder Atomkraftwerke gebaut werden?
Gönner: Diese Frage stellt sich für uns nicht. Ich halte es jedoch für richtig, die derzeit wirtschaftlich sinnvolle, unter Klimaschutz-Gesichtspunkten ökologisch sauberste Energieversorgung weiterzuführen.
SPIEGEL: Warum wollen Sie den Zeitplan des Atomausstiegs nicht einhalten?
Gönner: Atomkraftwerke sind technisch für wesentlich längere Laufzeiten ausgelegt, und der Einsatz der erneuerbaren Energien ist derzeit noch nicht wirtschaftlich genug.
SPIEGEL: Der Präsident des Bundesumweltamts, Andreas Troge, ein Parteifreund von Ihnen, spricht sich gegen längere Laufzeiten aus, weil dadurch die dringend notwendige Wende zu einer effizienteren Stromversorgung verzögert werde.
Gönner: Das glaube ich nicht. Jeder weiß, dass wir in effektivere Formen der Energiegewinnung viel mehr investieren müssen. Die Verlängerung der Laufzeiten sollen die Versorgungsunternehmen ja auch nicht zum Nulltarif bekommen.
SPIEGEL: Welche Bedingungen werden ihnen auferlegt?
Gönner: Zwei Forderungen werden damit verknüpft: Die Hälfte der zusätzlich erwirtschafteten Gewinne sollen die Unternehmen zur Erforschung der Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien verwenden. Wir wollen nur einen Umstieg im Ausstieg und keinen totalen Ausstieg aus dem Ausstieg. Und zweitens müssen die Atomkraftwerke ständig weiter an die neuesten Sicherheitsstandards angepasst werden.
SPIEGEL: Wie wollen Sie das durchsetzen?
Gönner: Derzeit gibt es ja noch eine gültige Vereinbarung mit den Energieversorgern. Wir werden deshalb einen neuen Vertrag mit den Unternehmen schließen müssen, der das dann verbindlich regelt.