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DER SPIEGEL

Panik

Mao Tse-tungs rote Kämpfer feiern nach zwei Monaten Kasernenhofdrill neue Siege. Der Angriff auf Südchina hat mit 14 Armeen begonnen, meldete das kommunistische Hauptquartier. Schon am ersten Tage seien 21 Städte erobert worden. Die Provinzialregierung von Hunan sitzt auf dem Sprung nach Süden. In den nationalchinesischen Kommuniqués ist wieder von "geringfügigen Rückschlägen" die Rede. Die Kommunisten würden von gut ausgebildeten Guerilla-Trupps unterstützt. Diese verübten Sabotageakte und störten den Nachschub an die Kampffront. - Chinesische Zeitungen berichten von dem Ausbruch einer Panik in Kanton.
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Aus Kanton meldet eine "zuverlässige Quelle", die chinesische Nationalregierung beabsichtige die Aufstellung internationaler Brigaden. Ministerpräsident Jen Hsischan habe bereits vor seinem Regierungsantritt erklärt, er sehe keinen Hinderungsgrund, eine fremde Armee auf nationalchinesischem Gebiet zu landen. Jen habe dem obersten Rat der Kuomintang vorgeschlagen, ein Freiwilligenkorps von 100000 Ausländern unter chinesischem Oberbefehl aufzustellen. Selbst Japaner sind als "Retter Asiens vor dem Kommunismus" willkommen.

DER SPIEGEL 30/1949
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