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DER SPIEGEL

Prüfung

Noch gleichsam fünf Minuten vor zwölf will der Geistliche Rat Goebel versuchen, mit seiner "Tatbereitschaft freier Deutscher" in das Bundesparlament einzuziehen. "Da meine zahllosen Versuche, im Einvernehmen mit den bestehenden Parteien zu einer prozentualen Vertretung der Vertriebenen im Bundesparlament zu kommen, restlos scheiterten, sehe ich den einzig gangbaren Weg für die Vertriebenen und Flüchtlinge darin, mit Hilfe unserer Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und westdeutschen Freunde eine neue politische Vertretung zu schaffen." Er forderte seine Anhänger auf, schnellstens Aktionsausschüsse zu bilden und Kandidaten zu benennen. Siebzig bis achtzig Meldungen sind in vier Tagen im Lippstadter Hauptquartier eingetroffen. In Frankfurt sprach der streitbare Geistliche Rat mit einem politischen Berater Robertsons. "Prüfung" wurde ihm zugesagt. Am 26. Juli soll die Entscheidung fallen, ob die Lizenzen für die Tatgemeinschaft erteilt werden. Ein Vertrauter Goebels erläuterte: Wir wollen Partei sein und doch keine werden, nur eben so zur Bundeswahl, weil es die Lizenzbestimmungen so wollen.

DER SPIEGEL 30/1949
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