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DER SPIEGEL

Reich

In Bischof Liljes "Sonntagsblatt" am Harverstehuder Weg in Hamburg herrscht Umbaustimmung. Die Zusammenlegung mit dem anderen Sprachrohr der evangelischen Kirche Deutschlands, der in Stuttgart erscheinenden Wochenzeitung "Christ und Welt", steht bevor. "Das Christliche Reich" soll die neue Zeitung heißen. Sitz Hamburg und Chefredakteur Hans Zehrer, bisher Chef des "Sonntagsblattes". Die beiden christlichen Zeitungsbrüder, die nun fusionieren, haben sich lange Zeit scheel angesehen. Die Hamburger sagten von den Stuttgartern, sie seien gar nicht christlich, sondern verdächtig national. (Einmal wurde "Christ und Welt" von General Clay wegen nationalistischer Tendenzen gerügt). Die Stuttgarter hingegen sagten von den Hamburgern, sie seien ein Kirchenblättchen für kleine Leute. Nun hat Zehrer, einst Leitartikler der "Vossischen Zeitung", dann Mitglied des Tat-Kreises, vorübergehend Chefredakteur der "Welt" und Autor von "Der Mensch in dieser Welt", doch gesiegt. Eugen Gerstenmeier, der Stuttgarter Gottes-Oekonom des evangelischen Hilfswerks, verschafft Dollars amerikanischer Lutheraner für den Start. Wenn niemand abbestellt, könnte man mit einer Auflage von 100000 beginnen.

DER SPIEGEL 30/1949
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