BÜHNE UND FILMKatharina die Kleine
Auf Wiedersehen" schloß das Telegramm von Elisabeth Bergner an ihr Berliner Publikum. Die Berliner klatschten, als der Kabelspruch im "Marmorhaus" vorgelesen wurde, bevor der Alexander-Korda-Film "Katharina die Große" anlief.
Als die junge Prinzessin von Anhalt-Zerbst mit den großen erschreckten Augen der Bergner zum erstenmal auf der Leinwand erschien, gab es neuen Beifall. Nach der Vorstellung wurde nicht mehr applaudiert. Es war sehr heiß, und der Film ist lang und fünfzehn Jahre alt.
Am 8. April 1934 hatte der gleiche Film im Berliner "Capitol" am Zoo deutsche Premiere. "Spontane Kundgebungen" der SA bewirkten, daß der Film innerhalb von 24 Stunden für ganz Deutschland verboten wurde.
Der braune Krawall konnte sich nur gegen die "nichtarische" Hauptdarstellerin richten. Nationale Töne, Parademärsche, Hoch- und Heilrufe enthielt der Film genug.
Der Film könnte auch "Katharina die Kleine" heißen. "Little Catherine" nennt Großfürst Peter, der spätere Zar, seine Frau. Er wird gegen den Willen der Zarin ermordet. Erst in der letzten Szene des historisch ungenauen Films kann Katharina ernstlich in die Politik eingreifen und die "Große" werden.
Mehrere tausend Filmmeter lang liebt Katharina ihren Gatten unglücklich und heftig und betrügt ihn nie. Douglas Fairbanks jr. spielt den Zaren, groß und filmschön, mit schwarzumschatteten Augen und fahrigen Gesten. Er vernachlässigt, demütigt und bedroht schließlich die ihm aufgezwungene Gemahlin.
Trotzdem hat Dr. Paul Czinner, Elisabeth Bergners Gatte und Regisseur aller ihrer Filme, sich viel Mühe mit einigen Liebesszenen zwischen dem Zarenpaar gegeben. Diese freundlichen Eindrücke werden aber immer schnell von neuen Scheußlichkeiten ausgelöscht.
Die Berliner Presse war vor und nach dem zweiten deutschen Start des Films voll von Liebeserklärungen für Elisabeth Bergner. Kühl blieb der "Tagesspiegel": "Sie war die große Nervenschauspielerin von gestern. Ob sie heute noch mit gleicher Intensität in diesem Sinne zu wirken vermag, wird erst nach ihrem bevorstehenden Gastspiel in Berlin festgestellt werden können."
Vorläufig macht Elisabeth Bergner noch eine Europa-Tournee. Der französische Produzent, der die Tournee finanziert, will in Paris mit der jetzt 49jährigen einen Film drehen.
Die Londoner, die Frau Bergner 1933 begeistert aufnahmen, verübeln es ihr immer noch, daß sie zu Kriegsbeginn mitten in den Außenaufnahmen in Kanada kontraktbrüchig wurde und über Nacht nach Hollywood ging. Seither ist Elisabeth Bergner für die englische Presse tot.
