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Porno-Phantasie

Bundespräsident Heinrich Lübke sollte nicht sehen, was jeder andere Bürger auf einer Ausstellung des schwedischen Botschafters in der Bad Godesberger Stadthalle sehen darf: zwei Graphiken des schwedischen Künstlers Tommy Wiberg. der auch im Stockholmer Nationalmuseum vertreten ist. Als Lübke in die Stadthalle kam, um mit dem Deutschen Beamtenbund dessen 50jähriges Bestehen zu feiern, hegten deutsche Beamte des Godesberger Kulturdezernats die Befürchtung, der Präsident könne eventuell Lust auf zeitgenössische schwedische Graphik verspüren. Den Anblick der grobgerasterten Wiberg-Werke, deren Punktegewirr sich nur mit pornographischer Phantasie als Unterkörper einer Frau und zweier Männer ausmachen läßt, mochten die Beamten dem deutschen Staatsoberhaupt nicht zumuten. Glückliche Fügung: Der Beamtenbund brauchte Stellwände und erhielt just jene zwei, die den Hintergrund für die nun mit gutem Grund entfernten Raster-Graphiken abgaben. Doch Lübke wollte die Ausstellung gar nicht sehen. Als er gegangen war, wurden die Bilder wieder aufgehängt.

DER SPIEGEL 1/1969
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