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DER SPIEGEL

VON STENDAL BIS STALINGRAD

Die Bismarcks waren ursprünglich
ein Patrizier-Geschlecht in Stendal (erste urkundliche Erwähnung: 1270). 1345 wurden sie mit der Besitzung Burgstall belehnt und gehörten seitdem, bis 1945, zum "schloßgesessenen Adel der Altmark".
Der Vater des Reichs-Gründers, Ferdinand von Bismarck (1771 bis 1845), diente zunächst in der preußischen Armee, nahm als Rittmeister seinen Abschied und bewirtschaftete sein Gut Schönhausen und
andere Güter in Pommern. Die Mutter Wilhelmine, eine geborene Mencken (1789 bis 1839), kam aus einer Bürgerfamilie, die zahlreiche hohe Beamte, Intellektuelle und Juristen hervorgebracht hatte.
Otto von Bismarck heiratete 1847 Johanna von Puttkamer (1824 bis 1894), die Tochter eines pommerschen Gutsherrn. Der Ehe entstammten eine Tochter, Marie, verehelichte Gräfin Rantzau (1848 bis 1926), und zwei Söhne:
- Herbert Fürst von Bismarck
(1849 bis 1904), den sein Vater zum Staatssekretär des Auswärtigen machte und der bei Entlassung des Reichskanzlers 1890 seinen Abschied nahm, und
- Wilhelm ("Bill") Graf von Bismarck-Schönhausen (1852 bis 1901), der zuletzt als Oberpräsident der Provinz Ostpreußen in Königsberg amtierte und mit seiner Cousine Sibylle von Arnim (1864 bis 1945), einer Tochter von seines Vaters Schwester Malwine, verheiratet war.
Von den fünf Kindern des Fürsten Herbert Bismarck und seiner österreichischen Frau Marguerite, einer geborenen Gräfin Hoyos (1871 bis 1945), ist der älteste Sohn, der 67jährige Otto Fürst von Bismarck, derzeit Chef der Familie und Gutsherr auf Friedrichsruh bei Hamburg. Zum Familienbesitz gehören außerdem das Dampfsägewerk Friedrichsruh und die Kornbrennerei Schönau, während Herstellung und Vertrieb der "Bismarck-Quelle" auf vom Fürsten verpachtetem Boden Sache eines fremden Unternehmers sind. Fürst Bismarck ist Gesandter a. D. und Bundestagsabgeordneter der CDU. Mit seiner schwedischen Frau Ann Mari, einer geborenen Tengbom, hat er sechs Kinder und - von den drei ältesten, verheirateten Kindern - acht Enkel.
Die ältere Tochter, Mari Ann, ist
mit dem Kaufmann Dr. Egbert von Oswald verheiratet; der 34jährige Erbgraf Ferdinand ist als Jurist bei der EWG in Brüssel tätig; der 30jährige Alexander studiert Jura; Maximilian, 18, und Gunilla, 15, besuchen Internate; der jüngste Sohn, Leopold, 13, geht auf das Bergedorfer Gymnasium.
Von den Nachkommen Wilhelm von Bismarcks ist ein Enkel - also ein Urenkel des Reichsgründers - der deutschen Öffentlichkeit bekannt geworden. Heinrich Graf von Einsiedel, 43, ist ein Sohn der noch lebenden Tochter Wilhelms, Irene Gräfin von Einsiedel. Der - nach Stalingrad - in der Sowjet-Union
kriegsgefangene Fliegeroffizier und Ritterkreuzträger gehörte dem "Nationalkomitee Freies Deutschland" an und veröffentlichte 1950 seine
Erinnerungen "Tagebuch der Versuchung". Einsiedel, von der Filmschauspielerin Barbara Rütting geschieden, lebt als Journalist in München.
Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Klaus von Bismarck, 53, ist ein Urgroßneffe Otto von Bismarcks, ein Urenkel von dessen älterem Bruder Bernhard (1810 bis 1893).
CDU-MdB
Otto v. Bismarck
Rundfunk-Intendant Klaus v. Bismarck
Bismarck-Urenkel Graf v. Einsiedel

DER SPIEGEL 14/1965
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