Lade Daten...
Inhaltsverzeichnis

AFGHANISTAN

Neue Opium-Strategie?

Regierungskreise in Berlin, Paris und Rom sowie Führungsstäbe der Nato diskutieren ein brisantes Vorhaben: die Legalisierung der afghanischen Opiumproduktion. Statt an Drogenbarone könnten die Bauern am Hindukusch ihren Schlafmohn, aus dem Opium und Heroin gewonnen werden, zu gleichen Preisen bei offiziellen Aufkäufern abliefern. Diese würden ihn dann der Pharmaindustrie andienen, etwa zur Herstellung von Schmerzmitteln.

"Mit den bisherigen Konzepten bekommen wir den Drogenanbau nicht in den Griff", sagt ein für Afghanistan zuständiger Nato-General. So nahm die Anbaufläche für Schlafmohn im vergangenen Jahr um rund 60 Prozent zu, die Menge des Rohopiums stieg um die Hälfte auf rund 6100 Tonnen, das sind 92 Prozent der Weltproduktion. Mit den auf gut drei Milliarden Dollar geschätzten Einnahmen finanzieren Taliban-Truppen und kriminelle Banden ihren Krieg gegen die afghanische Regierung und die westliche Allianz.

Die von den USA bevorzugte Methode, die Opiumfelder schlicht abzubrennen, treibt die Bauern in Armut und Verschuldung und damit noch enger in die Arme der Drogenbarone. Auch der Versuch, den Schlafmohn durch hochpreisige Alternativen zu verdrängen, etwa durch Safran-Kulturen, war bislang wenig erfolgreich. Eine Legalisierung wäre ebenfalls riskant, warnen Kritiker: Solange der Staatsapparat bis in höchste Kreise von Drogenhändlern durchsetzt sei, könnte der lizenzierte Anbau von Schlafmohn deren Geschäft zusätzlich beflügeln.

DER SPIEGEL 13/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

Inhaltsverzeichnis
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten