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COMICS

Rassistisches Gewäsch

Das hätte sich die britische Kommission für Rassengleichheit (CRE) auch gleich denken können. Kaum hatte diese aus öffentlichen Mitteln finanzierte Institution moniert, dass der Buchhandel kindliche Gemüter durch die Darstellung von Afrikanern als "affenähnliche Schwachköpfe" im Comic-Heft "Tim im Kongo" verderbe, schnellten die Verkaufszahlen der 1930 erstmals erschienenen Bildergeschichte in die Höhe. Wer aber hofft, durch dieses Frühwerk des legendären belgischen Comic-Künstlers Hergé einen dekadenten Kick zu bekommen, dürfte enttäuscht werden. Seine vom damaligen kolonialen Zeitgeist angefeuerte "Jugendsünde" (Hergés Selbstbezichtigung) wurde zwar von Hergé 1946 noch mal zeichnerisch aufpoliert, dennoch bleibt die dürre Geschichte über die Slapstick-Erlebnisse des Reporters Tim und seines Hundes Struppi bei den doofen Wilden im Busch, die dauernd "Massa" und "Dingsbums" stammeln, eine seiner drögesten. Dass der Comic "rassistisches Gewäsch" ist, würden sogar Hergé-Fans nicht bestreiten. Jedenfalls aus heutiger Sicht. Aus eben diesem Blickwinkel hat man schon Autoren der vergangenen Jahrhunderte wie Daniel Defoe oder Joseph Conrad ("Der Nigger von der Narzissus") Rassismus vorgeworfen, weil sie Eingeborene als "Wilde" oder "Menschenfresser" bezeichneten, also nicht frei waren von den gesellschaftlichen und kulturellen Prägungen ihrer Zeit, in diesem Fall der Kolonialherrschaft. Weltliteraten bleiben sie trotzdem. In allen britischen Filialen der großen Buchkette Borders wird "Tim im Kongo" nur noch in der Erwachsenenabteilung stehen. Vielleicht sollte der Verlag - ähnlich wie bei anstößigen HipHop-CDs - die Hefte mit einem Aufkleber versehen, zum Beispiel: "Kleinbürgerliche, paternalistische Klischees, die Leser beleidigen könnten."

DER SPIEGEL 30/2007
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