SKISPRINGEN
Ich bin jetzt Flitzer
SPIEGEL: Wie geht es Ihnen im dritten Winter nach Ihrem Rücktritt aus dem Skisprungzirkus?
Hannawald: Ich finde immer besser zu mir. Zurzeit suche ich mit meiner Familie nach dem perfekten Rückzugsort an einem See in Berlin, raus aus der Großstadt, die frisst mich ein bisschen auf. Immerhin mache ich mir keine Illusionen mehr, wieder zum Skisprung zurückzukehren. Das ist vorbei.
SPIEGEL: Haben Sie schon einen neuen Job gefunden?
Hannawald: Nein. Ich kann gut von dem leben, was ich als Sportler verdient habe. Aber ich suche noch nach der richtigen Aufgabe, am liebsten im Modegeschäft oder beim Fernsehen. Bisher habe ich noch nicht herausgefunden, was zu mir passt. Mein Leben bestand ja nur aus Leistungssport.
SPIEGEL: Womit verbringen Sie Ihre Zeit?
Hannawald: Ich bin ein Vorzeigepapa und verreise an höchstens zwei Tagen im Monat. Außerdem bin ich jetzt ein Flitzer, Rechtsaußen in der Betriebssport-Oberliga beim FC Akzent. Die sind richtig organisiert, tragen Wettkämpfe aus. Ich schaffe es einfach nicht, Sport nur so als Spaß zu sehen.
SPIEGEL: Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Kollegen?
Hannawald: Nur zu meinem Ex-Trainer Wolfgang Steiert. Wir telefonieren und treffen uns manchmal. Die restlichen Kontakte liegen auf Eis, vielleicht weil ich so weit weg bin. Wenn man der Einzige ist, der etwas in eine Beziehung investiert, hört man irgendwann auf hinterherzutelefonieren.