KUNST
Keiner soll der neuen Leitung reinreden
SPIEGEL: Herr König, Sie sind Mitglied der neunköpfigen Findungskommission. Nach welchen Kriterien wählen Sie den neuen Documenta-Leiter?
König: Es wäre schön, wenn die Person eine neue Generation verkörperte, wenn sie jung wäre - zumindest im intellektuellen Sinne. Es geht nicht nur darum, ein gutes Konzept zu entwickeln, sondern dieses auch professionell, intelligent und sinnlich umzusetzen.
SPIEGEL: Soll die neue Leitung eine Art Gegenentwurf zum umstrittenen Vorgänger Roger Buergel darstellen?
König: Diesen Reflex gibt es doch immer - frei nach dem Motto: Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln. Es wäre bei einem Neuanfang auch falsch, inhaltlich nicht etwas anderes anzustreben. Außerdem hat sich die Welt verändert. Globalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, sondern Realität.
SPIEGEL: Das klingt sehr vage.
König: Ich persönlich war kein Freund der letzten Documenta. Zunächst habe ich die Berufung von Roger Buergel zwar begrüßt, fand die Inszenierung dann aber den ausstellenden Künstlern gegenüber arrogant. Dem Publikum hat es jedoch gut gefallen. Und wenn Sie auf die jetzige Wahl anspielen: Ich kann mich nur als Vertreter unserer Kommission äußern. Eines kann ich allerdings sagen: Wichtig ist mir, dass keiner aus der Findungskommission der neuen Leitung später über die Schulter guckt und reinredet.
SPIEGEL: Warum kamen Sie selbst nicht als Kandidat in Frage?
König: Mit meinem festen Job als Museumsdirektor kann ich mir diese Position nicht leisten. Aber Sie liegen gar nicht so falsch: Ich war bereits zweimal Kandidat. Beide Male bin ich sozusagen als guter Verlierer herausgegangen.