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Kindheitsdiebe

Anja ist 14 Jahre alt, sie kennt alle Sorgen ihrer einsamen Mutter. Marion ist 12, ihr Spitzname lautet "Mülltonnenfresser". Hassan ist 10, er gilt als hochgradig kriminell und gewalttätig. Wie sich Armut anfühlt, was sie macht mit Kindern, ihren Träumen, ihren Hoffnungen: Antworten auf diese Fragen gibt Huberta von Voss in ihrem Buch "Arme Kinder, reiches Land". Ein Jahr lang reiste die Autorin durch Deutschland, sammelte Geschichten von Kindern, denen ihre Kindheit durch Armut genommen wird. Sie traf auf achtjährige Serieneinbrecher, auf neunjährige Ausreißer, auf Eltern, die verzweifelt versuchen, ein wenig Würde zu bewahren, und auf solche, die sich und ihre Kinder aufgegeben haben. Voss' Buch ist Sozialreportage und Klageschrift zugleich, es gibt wichtige Einblicke in das Leben einer schweigenden Minderheit. Voss hat genau hingeschaut. Sie fordert als ersten wichtigen Schritt etwas Simples: Kindern zuzuhören, ihnen nicht unbedingt Dinge, sondern Zeit zu schenken.

Huberta von Voss: "Arme Kinder, reiches Land". Rowohlt Verlag, Reinbek; 224 Seiten; 14,90 Euro.

DER SPIEGEL 45/2008
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