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AFGHANISTAN

Entstaatlichte Region

Außenminister Rangin Dadfar Spanta, 55, über die Bekämpfung des Drogenhandels

SPIEGEL: Sind alle afghanischen Drogenhändler zugleich Terrorunterstützer, wie es Nato-Oberbefehlshaber General Bantz John Craddock unterstellt?

Spanta: Dass es eine enge Verbindung zwischen der Drogenmafia und dem Terrorismus gibt, ist eine Tatsache. Die afghanische Regierung hat daher die Koalition und die Nato gebeten, Drogenbarone, die in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt sind, anzugreifen - wenn nötig auch mit tödlicher Gewalt. Vor allem sollen die Drogenkarawanen zerstört werden: schwerbewaffnete Banden, die von Süden nach Westen Richtung Iran ziehen.

SPIEGEL: Was ist mit Drogenhändlern ohne politischen Hintergrund?

Spanta: Man muss sie festnehmen und verurteilen, aber nicht töten. Das ist eine polizeiliche Aufgabe, aber auch dafür brauchen wir die Hilfe des Westens.

SPIEGEL: Wie lässt sich die Verflechtung von Drogenhandel und Terror auflösen?

Spanta: Das Zentrum der Drogenproduktion ist Helmand, dort kontrolliert der Staat nur die Hauptstadt und einen Distrikt. Der Rest ist eine völlig entstaatlichte Region und wird von Drogenhändlern, afghanischen und pakistanischen Taliban, al-Qaida und Kidnapperbanden beherrscht. Dagegen sind 24 Provinzen inzwischen fast drogenfrei, in diesem Jahr werden wir landesweit 30 Prozent weniger Produktion haben. Dort also, wo wir ein funktionierendes Staatswesen haben, geht auch der Drogenanbau zurück.

SPIEGEL: Über hundert Menschen wurden unter Ihrer Regierung in Afghanistan zum Tode verurteilt, aber keiner wegen Drogenhandels. Warum?

Spanta: Ich persönlich bin absolut gegen die Todesstrafe, aber das afghanische Recht erlaubt Hinrichtungen, wenn Verbrecher vielfach getötet haben. Drogenproduktion und -handel sind jedoch kein Hinrichtungsgrund.

SPIEGEL: Ist Präsident Hamid Karzai denn überhaupt noch der richtige Mann, um gegen die Drogenkartelle vorzugehen?

Spanta: Falls jemand Beweise vorbringt, dass die Drogengerüchte um den Bruder des Präsidenten zutreffen, garantiere ich, dass er die richtigen Maßnahmen ergreifen wird. Niemand hat diese Beweise bisher vorgelegt.

DER SPIEGEL 7/2009
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