AFGHANISTAN-EINSATZ
Tod bei Kunduz
Ein Geheimeinsatz amerikanischer "Delta Force"-Kommandotruppen im Norden Afghanistans hat deutschamerikanische Verstimmungen ausgelöst. Ein US-Verbindungsoffizier hatte am 21. März das deutsche Wiederaufbauteam in Kunduz aufgefordert, den Flugplatz freizuhalten, aber nichts über die bevorstehende Zugriffsoperation verlauten lassen. Gut eine halbe Stunde später landeten ein "Hercules"-Transporter und eine ganze Flotte von Kampf- und Transporthubschraubern, die sich danach zur nahe gelegenen Ortschaft Imam Sahib aufmachte. Dort stürmten die Amerikaner das Gästehaus des bislang deutschfreundlichen Bürgermeisters, töteten dessen Fahrer, Koch und Leibwächter sowie zwei seiner Gäste. Sie nahmen außerdem vier Personen fest. Eine davon war nach US-Angaben das "Ziel" der Aktion, ein "hochrangiges" Mitglied der Terror-Organisation al-Qaida. Die US-Truppen hatten sich nach Informationen aus Geheimdienstkreisen offenbar von einem Drogen-Clan dazu einspannen lassen, einen Rivalen zu liquidieren: Der Hinweis auf das Anwesen in Imam Sahib kam demnach aus dem Umfeld eines Kabuler Regierungsmitglieds, das tief in die Drogenkriminalität in Afghanistan verstrickt sein soll. Politiker und Militärs in Berlin rügten, der Unmut der Bevölkerung des Ortes über die zivilen Opfer der US-Attacke richte sich nun gegen die bisher gutangesehenen deutschen Isaf-Truppen. Der nicht abgestimmte Einsatz hätte zudem Bundeswehr-Patrouillen in der Gegend gefährden können.