TV-Rückblick
Bloch/Erwachsen auf Probe
3. Juni, ARD, RTL
Gleiche Sendezeit, ungleiche Maßstäbe. Vergangenen Mittwoch untersuchte der Fernsehpsychologe Bloch (Dieter Pfaff) in einer Fiktion, warum ein Mädchen selbstzerstörerisch zu wenig isst und er zu viel. Zur selben Stunde nahmen in einer RTL-Doku-Soap vier Teenie-Paare, die es in ihrem Leben bisher nicht leicht hatten, und mehrere Kinder an einem Test teil: Er sollte zeigen, ob die jungen Leute reif sind, Kinder zu haben oder nicht. Der Bloch-Anorexie-Abend war feines, bürgerliches Kammerspiel: gepflegte Räume, gepflegte Dialoge. Nur ein etwas magersüchtiges Ergebnis: Mangelnde familiäre Anerkennung verursacht Essstörungen. Die Tamaras, Bastis, Anjis, Marios und Lilas auf RTL sprachen zwar wirr und sprunghaft, gelegentlich unverständlich, so dass Untertitel helfen mussten. Aber nirgends betäubte - wie bei "Bloch" - Mimen-Hochkunst das Nachdenken. Man war als RTL-Zuschauer von der Frage, ob Eltern ihre Kinder einem solchen Experiment zur Verfügung stellen dürfen, vorab alarmiert und passte genau auf, ob die Menschenwürde dabei unterging. Nichts dergleichen geschah. Spannendes Fernsehen war stattdessen zu sehen, mitten hinein ins Unübersichtliche: Lösungen, Ursachen - keine Ahnung. Dafür Beobachtungen und Empfindungen: Es wirkte anrührend, wie junge, von der Erwachsenenwelt verratene Menschen den Babywunsch dennoch träumen und ein Leben mit Kindern nicht abgeschrieben haben. Auch das ein Stück Menschenwürde.