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Bio-Baumwolle mit Gentechnik
Der Ende vergangener Woche bekannt gewordene Betrug mit Bio-Baumwolle ist Kennern der Branche offenbar schon länger bekannt. Bereits vor einem Jahr auf der Nürnberger Messe Biofach, so der Leiter einer großen Kontrollstelle, sei über die gentechnische Verunreinigung von indischer Bio-Baumwolle gesprochen worden. Im April 2009, so berichtet die "Financial Times Deutschland", habe dann die indische Agrarbehörde Apeda zugeschlagen. Deren Direktor sprach von einem "gigantischen" Betrug mit vermeintlicher Bio-Baumwolle - die offenbar gentechnisch verändert war. Eine solche Verunreinigung sollen Öko-Zertifizierungen eigentlich ausschließen. Unter Verdacht geriet neben Dutzenden Produzenten auch der niederländische Zertifizierer Control Union, der etwa für die Textilkette H&M prüft. Doch deren Sprecher wiegeln ab: "Gefakte Bio-Baumwolle" habe man nicht zertifiziert. Eine vom Unternehmen kontrollierte Kooperative, gibt ein Sprecher jedoch zu, sei allerdings schon 2007 unter Verunreinigungsverdacht geraten. Control Union habe dann strengere Regeln eingeführt und dadurch erheblich Marktanteile verloren. Das Problem in Indien ist die nahe Koexistenz von Gentech- und Bio-Anbau: Während bereits rund 70 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch veränderte Pflanzen sein sollen, wächst gleichzeitig die Nachfrage an Bio-Baumwolle, die die Produzenten teurer verkaufen können: Binnen vier Jahren stieg die weltweite Produktion von 20 000 auf 141 000 Tonnen - ein Wachstum, das auch bei Zertifizierern Zweifel aufkommen lässt.