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DER SPIEGEL

GESTORBENEgon Klepsch

Egon Klepsch, 80. Der im Sudetenland geborene Katholik musste zweimal flüchten: nach einer sechsmonatigen Tortur im Jahr 1945 in einem tschechoslowakischen Zwangsarbeitslager zunächst in die Nähe von Magdeburg; 1950 setzte er sich dann nach West-Berlin ab, weil er einer Widerstandsgruppe in der FDJ angehört hatte. Klepsch wurde schließlich in Koblenz sesshaft. Von 1965 bis 1980 saß er für die CDU im Bundestag. Seine wahre Bestimmung aber fand er als Mitglied des Europäischen Parlaments. Fast 15 Jahre führte er die EVP-Fraktion, wie sich die Konservativen im Europaparlament nennen. Ein erster Anlauf, Parlamentspräsident zu werden, scheiterte 1982. Erst zehn Jahre später wurde der Christdemokrat mit Unterstützung der Sozialisten Präsident der europäischen Volksvertretung. Angesichts der neuen Größe Deutschlands achtete Klepsch auf ein bescheidenes Auftreten. Härte zeigte er nur im Kampf um mehr Rechte für sein Parlament. Egon Klepsch starb in der Nacht zum 18. September in Koblenz.

DER SPIEGEL 39/2010
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