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AFGHANISTAN

Kampf dem Knabenspiel

Präsident Hamid Karzai hat versprochen, die Rekrutierung von Jungen für Polizei und Armee künftig zu verhindern - und damit den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Vorgesetzte zu stoppen. In letzter Zeit waren wieder mehr junge Afghanen - teilweise gerade mal neun Jahre alt - mit falschen Papieren in die Dienste eingeschleust worden, um so die Zahl der Polizisten und Soldaten zu erhöhen und der westlichen Forderung nach Ausbau der nationalen Sicherheitskräfte zu genügen. In Wirklichkeit werden die Knaben als Sex-Sklaven beim sogenannten Bacha Bazi eingesetzt, einer Tradition in weiten Teilen des Landes, die übersetzt so viel wie "Knabenspiel" heißt: Dabei müssen die Jungen vor älteren Kommandeuren tanzen; die Vorgesetzten nehmen die Kinder dann mit nach Hause und missbrauchen sie. Die Familien der Jungen akzeptieren dies oft, weil sie sich bessere Karrierechancen für ihre Söhne erhoffen. In Afghanistan gibt es Fälle von hochrangigen Politikern, deren Karriere als "Bacha" begann. Auf Druck der Uno und von Menschenrechtlern unterschrieb Kabuls Außenminister jetzt einen Aktionsplan. Danach verpflichtet sich die Regierung, den Vereinten Nationen regelmäßigen Zugang zu allen Einrichtungen von Polizei und Armee zu gewähren, das Alter der Rekruten besser zu überprüfen und Kommandeure zu bestrafen, die Kinder anwerben. Jungen, die bereits zum Dienst verpflichtet wurden, sollen durch ein Integrationsprogramm in die Zivilgesellschaft zurückkehren. Nader Nadery von der afghanischen Menschenrechtskommission hatte einen solchen Plan gefordert, weil die Regierung Karzai jahrelang alle Aufforderungen, die Kindereinberufungen zu stoppen, ignoriert hatte.

DER SPIEGEL 7/2011
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