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DER SPIEGEL

POPMonströse Femme fatale

Der Niedergang von Britney Spears ist eine der großen Tragödien im Pop der vergangenen Jahre. Nicht nur, weil sie ihr Leben so gründlich vor die Wand gefahren hat. Viel schlimmer ist, dass sie keine Kunst aus ihrem Elend machen kann oder darf. "Femme Fatale" heißt ihr neues Album - und selbst in der großen Oberflächenkunst des Pop dürfte es wenige Platten geben, die so verlogen sind wie diese. Denn Britney Spears, 29, ist ja mitnichten der sexy Superstar, als der sie sich in ihren Songs präsentiert. Fast alle Stücke auf "Femme Fatale" handeln vom Ausgehen, Tanzen, Jungsaufgabeln und Sich-super-Fühlen. Im echten Leben hat Spears das Sorgerecht für ihre Kinder verloren, ist entmündigt und verbringt ihre Zeit mit so entwürdigenden Dingen wie Nachhilfeunterricht im maßvollen Umgang mit Geld, damit das Familiengericht ihr irgendwann erlaubt, sich wieder um ihre zwei Söhne zu kümmern. Wahrscheinlich träumt sie nicht einmal vom Ausgehen, sondern würde am liebsten für ein paar Tage ihre Ruhe haben. Aber so ist sie gefangen in ihrem Ruhm, eingesperrt von einem riesigen Apparat, der davon lebt, dass Britney so tut, als wäre alles in Ordnung. Im Sounddesign der quietschbunt-brutalen Autoscooter-Beats, die ihre Musik in Schwung halten, blitzt manchmal auf, wie monströs das eigentlich ist.

DER SPIEGEL 14/2011
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