SPORTPOLITIK
Abgekartetes Spiel
SPIEGEL: Überrascht es Sie, dass die Uefa den Verband von Bosnien-Herzegowina ächtet?
Barbarez: Das ist eine logische Folge der Misswirtschaft der Funktionäre.
SPIEGEL: Was meinen Sie damit?
Barbarez: Im bosnischen Fußball steckt zu viel Politik. Keiner zeigt den Willen, dies zu ändern. Es ist eine Situation wie vor dem Krieg.
SPIEGEL: Bis heute sind ein muslimischer Bosnier, ein Serbe und ein Kroate gleichberechtigte Präsidenten. Warum ist man den monatelangen Aufforderungen der Uefa nicht nachgekommen, sich auf einen Verbandsboss zu beschränken?
Barbarez: Weil es so doch viel einfacher ist. Niemand ist der Alleinschuldige, und man kann Entscheidungen wunderbar verschleppen. Die Funktionäre dort haben doch gar keine Lust, dass das Land eine Einheit wird.
SPIEGEL: Warum nicht?
Barbarez: Es gibt Statistiken, die zeigen, dass Bosnien eines der korruptesten Länder Europas ist. Funktionäre verdienen auf diese Weise sehr gut. Warum sollten sie das ändern?
SPIEGEL: Warum haben Sie 2008 abgelehnt, Nationaltrainer Bosniens zu werden?
Barbarez: Das war ein abgekartetes Spiel. Es gab von vornherein einen anderen Favoriten.
SPIEGEL: Am 3. Juni soll Bosnien gegen Rumänien in der EM-Qualifikation antreten. Wird dieses Spiel stattfinden?
Barbarez: In zwei Monaten kann man viel bewegen. Aber dafür müssen sich die Leute zusammenreißen. Und daran glaube ich noch nicht.