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Briefe

Zweiter Tritt ins Gesicht

Nr. 18/2011, Mordswut - Die unheimliche Eskalation der Jugendgewalt

Es muss Konsens werden, dass es nichts zu diskutieren gibt: Wer sich zu derart asozialen Handlungen hinreißen lässt, darf nicht mit Milde rechnen, sondern muss die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen - schon um eventuelle Nachahmer so gut wie möglich abzuschrecken. Der Delinquent ist für alle Folgen in vollem Umfang haftbar zu machen. Alles andere ist letztlich ein Affront gegenüber den gesetzestreuen Bürgern, die nicht auch noch mit den finanziellen Folgen solcher Taten belastet werden dürfen.

Hausach (Bad.-Württ.),
Matthias Kaiser

Die meisten Menschen sind wohl genauso entsetzt wie ich über die Gewaltausbrüche von Jugendlichen. Mich entsetzt aber auch, dass man die Bilder dieser Eskalationen auf Titelseiten und in Videobeiträgen zur Schau stellt. Halten Sie es nicht für möglich, dass man damit auch Anreize schafft für andere Jugendliche, auch mal so im Rampenlicht stehen zu wollen, und somit weitere Vorfälle begünstigt werden? Und wie fühlt sich das für die Opfer an?

Köln Merit Altenrath

Pseudosoziales Tätermitleid und Nachsicht empfinden die Prügler doch bereits als eine Art Freispruch zweiter Klasse. Das können die Opfer auch als Verhöhnung oder einen zweiten Tritt ins Gesicht auffassen. Es müssen aber nicht nur die Gesetze überprüft, sondern auch Maßnahmen ergriffen werden, die der Vorbeugung dienen. Eine personelle Verstärkung der Polizei gehört genauso dazu wie die Ausweitung der Videoüberwachung und eine flächendeckende Einführung gutausgebildeter kommunaler Sicherheitswachen.

Schwabach (Bayern),
Claus Reis

Die Gesetzesmühlen arbeiten langsam, es ist höchste Zeit, Wasser daraufzugießen. Die Ahndung von Straftaten dauert Monate. Vor allem bei Jugendlichen ist eine schnelle Verurteilung essentiell, um ihnen die persönlichen Konsequenzen ihres Verhaltens vor Augen zu führen und weiteren Delikten zuvorzukommen.

Germering (Bayern) Martin Schiessl

Den Hinweis, dass Knast sowieso nichts nutze, da die Rückfallquote so hoch sei, halte ich für eine Fehlinterpretation. Bei denjenigen, die es tatsächlich bis dahin gebracht haben, handelt es sich meist bereits um Intensivtäter, bei denen erzieherische Maßnahmen nur noch selten Erfolge bringen. Eine wirklich spürbare Reaktion schon zu Beginn einer sich anbahnenden Karriere in Kombination mit konsequenten erzieherischen Maßnahmen könnte heilende Wirkung erzielen.

Bedburg (Nrdrh.-Westf.),
Leonhard Köhlen

Sozialstunden à la Rasenmähen oder reine Bewährungsstrafen für Jugendliche auch bei gravierenden, sprachlos machenden körperlichen Misshandlungen? Blanker Hohn! Das Strafrecht darf in der Tat nicht auf einer auf Vergeltung angelegten Theorie beruhen. Aber dennoch muss dem Opfer - auch im Jugendstrafrecht - signalisiert werden: Dir wurde Unrecht zugefügt; auch du hast ein legitimes Anliegen, welches mitberücksichtigt wird, was Art und Umfang der Strafe betrifft.

Berlin,
Felix Niedermaier

Jugendliche lernen heute nicht mehr, sich mit anderen Menschen zu befassen, sondern beschäftigen sich mehr mit namenlosen Objekten aus der digitalen Welt. Dadurch verkümmert die Fähigkeit, zu kommunizieren und sich in andere Personen hineinzuversetzen. Man prügelt so lange auf den anderen ein, bis bei ihm "Game over" angezeigt wird.

Travenbrück (Schl.-Holst.) Andreas Schlereth

Als Pädagoge möchte ich den ausgezeichneten Artikel in den Unterricht einbringen. Es gilt, die Lust zu besiegen, die vor der Schlägerei hochkommt, und zu lernen: Sei stärker als die Rauflust in dir. Falls es echte Konflikte gibt, wende dich an die Gerichte. Ohne Gerichte hätten wir den mörderischen Wilden Westen. Die Gerichte erhalten den Frieden und den Rechtsstaat, in dem wir alle gern leben wollen.

Barcelona Bernhard Koesters

Es ist mir vollkommen egal, ob jemand eine schwere Kindheit hatte oder nicht. Das gibt ihm keine Berechtigung, seinen Frust an anderen Menschen auszulassen.

Hamburg Walter Möller

Die Reaktion auf solche Straftaten in der Gesellschaft äußert sich meist in allgemeinem Entsetzen, der Forderung nach mehr Überwachung und härteren Strafen. Doch mehr als das kurzfristige nackte Grauen und der Ruf nach Vergeltung werden kaum laut. Schön, wenn man zumindest einen (leider toten) Helden wie Dominik Brunner als Beispiel für Zivilcourage anbringen kann. Doch dann verebbt der Ruf schnell wieder, und es herrscht ein Zustand des ignorierenden Weiterlebens, in dem nur zu gern ausgeblendet wird, dass so etwas passiert und eben jedem passieren kann.

Offenbach am Main Heiko Grosse

DER SPIEGEL 19/2011
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