USA/CHINA
Cyber-Angriff auf Regierung
Der neuerliche Hacker-Angriff auf Hunderte Google-Mail-Konten von US-Regierungsbeamten belastet die Beziehungen zwischen den USA und China. Offenbar waren auch Mitarbeiter aus dem Weißen Haus betroffen. US-Außenministerin Clinton sprach von einem "sehr ernsten" Vorfall und beauftragte das FBI mit Ermittlungen. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wies die Vorwürfe als "unbegründet und mit offensichtlichen Hintergedanken" zurück, chinesische Militärs warfen den USA vor, selbst einen "Internetkrieg" vorzubereiten. Google hatte zuvor ungewöhnlich offen erklärt, die Spuren der Angriffe auf die E-Mail-Postfächer ließen sich in die Stadt Jinan in der chinesischen Provinz Shandong zurückverfolgen. Dort gibt es nicht nur eine Cyber-Spionage-Einheit der Volksarmee, sondern auch eine Berufsschule, die IT-Fachkräfte für das Militär ausbildet. Sie war schon bei der letzten bekanntgewordenen Angriffswelle auf Google im Dezember 2009 ins Visier der Ermittler geraten. Ein von WikiLeaks veröffentlichter US-Botschaftsbericht vom Januar 2010 zitiert eine "gut platzierte" Quelle mit der Information, die chinesische Regierung habe die damaligen Angriffe auf Google "koordiniert". Im aktuellen Fall erhielten die Betroffenen eine Mail aus einer scheinbar vertrauenswürdigen Quelle. Wenn sie auf den enthaltenen Link klickten, wurden sie auf eine täuschend echt aussehende Gmail-Startseite geleitet, die ihr Passwort abfragte. Mit dem Passwort konnten die Angreifer den Account überwachen und eingehende Mails auf eigene Accounts umleiten. Neben den US-Beamten waren auch südkoreanische Beamte, Menschenrechtler und Journalisten im Visier der Angreifer. Das Pentagon will künftig schwerwiegende Cyber-Angriffe als "kriegerischen Akt" einstufen.