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DER SPIEGEL

Die Macht der Mauern

Wo das neue Kanzleramt gebaut wird, wollte sich Hitler sein Palais errichten, wo Honecker den Sozialismus in den Untergang führte, residiert bald der Außenminister - in Berlin ist deutsche Geschichte allgegenwärtig.
Aus dem hellen Beton ragen rostbraune Stahlstäbe, darunter entsteht eine Tiefgarage mit 200 Stellplätzen. Es dröhnen die Hämmer, zischen die Schweißgeräte. Arbeiter brüllen auf Portugiesisch gegen den Lärm.
Eine Baustelle in Berlin. Aber was für eine: "An dieser Stelle", kündet feierlich ein fünf Meter hohes Schild, "wird künftig der deutsche Bundeskanzler seinen Amtssitz haben und die Bundesregierung ihre Beschlüsse fassen".
Bonn baut Berlin um. Hinter den Bergen von Aushub, die wie eine riesige Sandburg die Grube des Kanzlers umgeben, erhebt sich die neue, begehbare Kuppel des Reichstags: In einer Aufwärtsspirale ohnegleichen können die Deutschen in einem Jahr über ihren Volksvertretern aufsteigen zum Rundblick über die neue Hauptstadt.
Noch hängen dort oben die Monteure wie Bergsteiger in den Seilen und setzen das Glas ein. Für das Panorama auf die größte Baustelle Europas haben sie keinen Blick, keine Zeit. Schnell, nur schnell, der Umzugstermin zur Sommerpause 1999 muß eingehalten werden.
Keine zwei Kilometer weiter an der Baustelle des Auswärtigen Amtes stehen die Arbeiter ungeduldig hinter den Politikern. Das Buffet zur Grundsteinlegung eines Erweiterungsbaus ist kaum eröffnet: Da klauben die Maurer die Schatulle eilig wieder aus dem Block, in den Außenminister Klaus Kinkel die Dokumente für die Ewigkeit gerade eingemörtelt hatte. Die Bodenplatte wird wieder eingeebnet, weiter geht''s.
Dahinter, auf dem künftigen Hauptgebäude des Außenministeriums, arbeiten schon die Dachdecker. Unten an einem Seiteneingang verladen Möbelpacker beigefarbene Kunstleder-Sessel - letzte Stücke aus dem Plenarsaal des SED-Zentralkomitees, das hier im ehemaligen Reichsbankgebäude Platz genommen hatte. Wohin geht die Reise? "Nach Bonn", sagt ein Träger, "ins Museum".
Bonn ist Vergangenheit, Berlin ist die Zukunft. Doch es ist eine Zukunft mit viel Vergangenheit. Nach Jahren des Zögerns und Zauderns geht der Auf- und Umbau Berlins zur deutschen Hauptstadt mit Tempo voran. Regierung und Parlament der Deutschen verlassen die kleine Stadt am Rhein für immer - und kehren zurück an den Ort ihrer Geschichte.
Berlin, das sind zwischen Preußen und Pankow drei Jahrhunderte Historie in Stein und Stahl. Herrscher und Diktatoren haben Berlins Mitte ihren architektonischen Stempel aufgedrückt, von Friedrich I. über Wilhelm II. und Hitler bis Honecker. Nun ist hier die Baustelle der Demokratie. Hier hat neben einem Bundesamt laut Ausschilderung die "Bundesbaugesellschaft Berlin mbH" das "Generalmanagement".
Es sind die Hülsen der Vergangenheit, die das Unternehmen mit beschränkter Haftung der Zukunft zubereitet. Mitte April nächsten Jahres will der Bundestag den radikal renovierten Parlamentssitz des Kaiserreiches und der Weimarer Republik mit einer Festsitzung eröffnen. Am 23. Mai werden dann rund 1300 Repräsentanten der Republik, die Mitglieder der Bundesversammlung, im Reichstag ein neues Staatsoberhaupt wählen. Die anschließende Feier zum 50. Jahrestag des Grundgesetzes wird zugleich der Abschied von der Bonner Republik.
Knapp eine Dekade nach der Wiedervereinigung nimmt die politische Klasse Deutschlands ihren Sitz auf dem Zentralfriedhof der deutschen Geschichte, wo im Untergrund noch die Bunker von Hitlers Reichskanzlei modern.
Die Konfrontation mit der Vergangenheit wollten sich die Regierenden aus Bonn eigentlich ersparen. Erst in einem langwierigen, schwierigen Prozeß siegte die gebaute Historie gegen teilweise hartnäckigen Widerstand einiger Minister. Pragmatismus und Sparzwang sowie schließlich des Umzugsministers Klaus Töpfer Respekt vor Altbauten verhinderten, daß sich die an die Spree Vertriebenen dort ein Neu-Bonn errichteten - schöner, größer, teurer als am Rhein, aber abgeschottet gegen die Berliner Realität.
Schon der Umzug war eigentlich unerwünscht. Das "Provisorium Bonn", jahrzehntelang liebevoll mit der Legende von der Wiedervereinigung gepflegt, wurde nach dem Mauerfall so eilig festbetoniert wie nie zuvor. Weder die Bonner Bürger noch die ansässigen Beamten und auch nicht die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und dem angrenzenden Rheinland-Pfalz mochten auf ihr Hauptstädtchen verzichten.
In der Bundestagsdebatte zur Verlagerung der Kapitale am 20. Juni 1991 beschworen Berlin-Gegner noch einmal Bonn als das Sinnbild der bewährten deutschen Demokratie. Vor dem drohenden Unheil Berlin warnte der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende und Arbeitsminister Norbert Blüm mit Leidenschaft: "Wir haben uns nicht zum Deutschen Reich wiedervereint."
Vergebens: mit der knappen Mehrheit von 18 Stimmen - 338 zu 320 - votierte das Parlament für den Umzug an die Spree.
Vor allem einen Makel, darin waren sich Union, FDP und SPD einig, hatte die neue, große Hauptstadt: Dort war einfach nicht genügend Platz, jedenfalls nicht nach Bonner Ansprüchen.
In alte Gemäuer wollten die Umsiedler keinesfalls ziehen. Schon vier Wochen nach dem Umzugsbeschluß eröffnete deshalb Bauministerin Irmgard Schwaetzer (FDP) dem Berliner Bürgermeister Eberhard Diepgen, der Bundestag werde "umfangreiche Neubaumaßnahmen im Spreebogen in Angriff" nehmen.
Den Organen des Bundes sollte es auch privat an nichts fehlen. Im Interesse der "Akzeptanz" des Umzuges müsse die Hauptstadt, so Schwaetzer, Bonner Parlamentariern und Bediensteten ein "städtebaulich zumindest gleichwertiges Angebot wie im Bonner Raum" an Ein- und Zweifamilienhäusern unterbreiten.
Der Weg nach Bonn sollte dennoch so kurz wie möglich sein. Der Flughafen Tegel müsse daher "alsbald" einen U-Bahn-Anschluß erhalten. "Besondere Bedeutung" komme dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im "Gebiet zwischen Kurfürstendamm und Alexanderplatz" sowie im "Großraum Berlin" zu.
Vor dem trostlosen Antlitz der im Realsozialismus verkommenen Staatsbauten graute den Westlern. Leider hatte der Bund davon mehr als genug geerbt- nirgendwo sonst hat er soviel Immobilienbesitz wie in Berlin.
Kein Gebäude schien zumutbar, nicht einmal als provisorische Unterkunft. Im einstigen DDR-Regierungskrankenhaus beispielsweise "existiert kein Westanschluß", entsetzte sich Wirtschafts-Staatssekretär Dieter von Würzen, als er den für die Außenstelle seines Ministeriums vorgesehenen Bau in Augenschein genommen hatte.
Geflissentlich ignorierte der Bund erste Vorschläge aus Berlin, die Ministerien rasch und dauerhaft in Altbauten unterzubringen. Statt dessen präsentierte Schwaetzer im Oktober 1991 der Regierung eine eigene Bestandsaufnahme.
Das Ergebnis löste Unbehagen in der Kabinettsrunde aus: 567 800 Quadratmeter Hauptnutzfläche standen in "bis heute bekanntgewordenen" bundeseigenen Gebäuden zur Verfügung. Mit Erweiterungen und Neubauten kam die Bundesbauverwaltung gar auf mehr als eine Million Quadratmeter - weit mehr, als Regierung und Parlament in Bonn nutzen.
Am wenigsten gefielen den Ressortchefs die Adressen: Mit Ausnahme von 3 Gebäuden befanden sich die 43 Immobilien im Ostteil der Stadt, konzentriert im Bezirk Mitte. Vertraulich konnte Schwaetzer ihre Kabinettskollegen beruhigen, es werde "Schwierigkeiten bereiten", die Altbauten zu beziehen. Vielfach sei nämlich eine aufwendige Grundsanierung nötig, vor allem mangele es an Parkplätzen. Die Botschaft war deutlich: Kommt Zeit, kommt Neubau.
Wenn es schon Berlin sein mußte, dann sollte aber wenigstens eine alte Bonner Unbequemlichkeit am neuen Ort vermieden werden: die teilweise großen Distanzen zwischen den auf rund 200 Standorte verteilten Bundeseinrichtungen am Rhein. Ein zentrales Terrain, direkt beim Reichstag, bot sich besonders für die Konzentration der Staatsgebäude an: Den Berliner Spreebogen nebst östlich angrenzenden Grundstücken beiderseits der Dorotheenstraße reklamierten die Bonner Organe für sich.
Aus "geschäftlichen Rücksichten" hatte schon Reichskanzler Otto von Bismarck 1871 bei der Debatte über den künftigen Standort des Reichstags gemahnt, er habe nicht die Zeit, von der Wilhelmstraße zum Parlament ständig "in eine entfernte Gegend" zu reisen. 120 Jahre später verlangte Helmut Kohl im Kabinett, das Kanzleramt müsse "in fußläufiger Entfernung" zum Reichstag liegen. Dem Wunsch kam ein Neubau im Spreebogen am nächsten.
Für das Bundespresseamt, die vier großen Ministerien des Auswärtigen, Inneren, der Finanzen und Wirtschaft sowie für Teile des Justizministeriums sah der Entwurf Neubauten vor. Die Dienststellen von sechs Ressorts, die ihren Hauptsitz in Bonn behalten, sollten in einem neuen Hexagon zusammengefaßt werden.
Ausdrücklich zum Abriß freigegeben waren das DDR-Staatsratsgebäude, der Hochhaus-Riegel des DDR-Außenministeriums, die frühere Reichsbank, das DDR-Bauministerium sowie Hermann Görings Reichsluftfahrtministerium. Diese Bauten, hatten die Plattmacher sich zuvor in zwei Gutachten bescheinigen lassen, seien funktional "nicht geeignet" oder "aus wirtschaftlichen Gründen" nicht zu sanieren.
Das war zuviel für das Berliner Gemüt. Gegen den imperialen Anspruch aus Bonn sammelte sich der Widerstand quer durch alle Parteien. Berliner Senatoren, bis dahin den mächtigen Bonnern überaus willfährig zu Diensten, wurden unter dem Abrißschock mutig.
Nun begannen der Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) und sein Senatsbaudirektor Hans Stimmann für Alternativen zu wer-ben - aus Furcht vor toten Büroghettos und aus Angst vor der geballten Ost-Berliner Empörung über einen Abriß ihres Republik-Palastes. Den Satz "Berlin muß nicht neu erfunden werden", erinnert sich Stimmann heute, "konnten wir bald in fünf Sprachen" den aus aller Welt eingeflogenen Investoren, Architekten und Planern entgegenhalten.
Die Wende zugunsten der Altbauten bahnte sich 1993 an. Der Jammer über das Milliardengrab Ost hatte die Einheitseuphorie verscheucht. Die Geldverschwendung für die "von Bonn erzwungene Neugestaltung der gesamten Berliner Stadtmitte" ("Frankfurter Allgemeine") bewirkte eine bundesweite Debatte.
Dem öffentlichen Druck mußten Parlament und Regierung sich schließlich beugen. Mit Rücksicht auf die strapazierten Staatsfinanzen forderte der Haushaltsausschuß im Februar 1994 ultimativ, auf Regierungsneubauten "mit Ausnahme des Bundeskanzleramtes" zu verzichten.
Inzwischen ist vieles zumutbar, die Ressorts müssen sich mit rund einem Viertel weniger Raum, als anfänglich reklamiert, begnügen. Noch etwa 1,5 Milliarden Mark von dem ohnehin auf 20 Milliarden Mark geschrumpften Budget für das Großunternehmen Umzug sollen eingespart werden.
Die Neubau-Fraktion wurde mit dem "Band des Bundes" befriedet, dem preisgekrönten Entwurf der Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank. Auf fast zwei Kilometern sollten sich Parks, Kanzlerbau, Bürgerforum und Staatsbüros vom Spreebogen bis zur Friedrichstraße reihen - inzwischen ist auch dieses Bundesband sparsam geschrumpft.
Die Sanierung der Altbauten entsprechend den Ansprüchen des Bauherren Bundesrepublik war mitunter eine Herausforderung an die Fachleute. Der schwierigste Fall war der Reichstag. Der Wunsch des Bundestages, sein Hohes Haus wieder mit einer Kuppel zu krönen und ein neues Zwischengeschoß mit Besuchertribünen im Plenarsaal einzuziehen, brachte die alte Statik aus dem Gleichgewicht. Die rund 3000 Holzpfähle, auf denen der Bau seit 1894 steht, reichten als Fundament nicht aus. Für das Dach und das 1200 Tonnen schwere Kuppel-Ei aus Stahl und Glas mußten die Experten ein zusätzliches Tragwerk einziehen: 15 Meter tief in den märkischen Sand reicht jetzt das neue Fundament für zwölf Betonstützen, die sich durch drei Stockwerke ziehen.
Die Substanz der Altbauten für die Ministerien ist wegen Kriegsschäden und Pfusch beim sozialistischen Wiederaufbau von oft mäßiger Güte. "Wir müssen einen Reparaturrückstand von 60 Jahren nachholen", sagt Hans-Joachim Henzgen, der Projektleiter im ehemaligen DDR-Haus der Ministerien, dem künftigen Sitz des Finanzministers.
Billiger ist das Umzugsprojekt durch das Sanieren nicht geworden. Im Schnitt kostet in den Ministerien ein Quadratmeter Hauptnutzfläche (ohne Flure, Foyers und Treppen) 10 700 Mark, der komplizierte Reichstag kommt gar auf 53 342 Mark pro Quadratmeter zu stehen. Der Bundesrechnungshof bilanziert, "daß die Herrichtung von Altbauten keine wesentliche Einsparung gegenüber Neubauten bewirkt".
Anfang 1994 startete ein skurriles Häuser-Roulette, in dem die Ministerien nun auf die vorhandenen Altbauten verteilt wurden. Zwei Jahre kullerten die Ressorts mal hierhin, mal dorthin.
Das Wirtschaftsministerium etwa sollte zunächst ins frühere Preußische Herrenhaus nebst Neubau, dann ins ehemalige Gebäude von Reichsbank und SED-Zentralkomitee und landete am Ende im DDR-Regierungskrankenhaus (siehe Kasten Seite 60).
Nur Innenminister Manfred Kanther ertrotzte sich noch eine Neubau-Unterkunft. Er sträubte sich so lange, in das einstige DDR-Innenministerium an der Mauerstraße, bis 1945 Hauptsitz der Deutschen Bank, oder ins ZK-Gebäude zu ziehen, bis er einen Glas-Palast direkt an der Spree anmieten durfte, den der Berliner Pizza-König Ernst Freiberger von seinen Gewinnen aus der Großbäckerei errichtet hatte.
Außenminister Kinkel kehrte nur widerwillig in die Geschichte zurück. Die Reichsbank sei des deutschen Außenamtes "unwürdig", ließ der Liberale verlauten. "Alles Quatsch", redet Kinkel sich inzwischen heraus, "der Personalrat wollte hier nicht hin." Vorher jedoch hatte der Außenminister heftig für den Abriß von Palast der Republik und Staatsratsgebäude gekämpft, um sich da oder dort einen angemessenen Neubau hinsetzen zu lassen.
Erst der Umzugsbeauftragte Töpfer, seit Anfang 1995 im Amt, brachte Kinkel von seinen Plänen ab. Nach kurzer, aber intensiver Stadtbegehung entschied Töpfer: "Das Staatsratsgebäude müssen wir erhalten."
Töpfer war der erste unter den Bonner Ministern, der das schwierige Erbe der Vergangenheit ernsthaft annehmen wollte. Ganz gegen seine Gewohnheiten als Umweltminister sparte er sich diesmal wortreiche Ankündigungen und schuf still Fakten.
Erst kurz vor seinem Abschied nach Nairobi gab Töpfer sein Verständnis von
* Gemälde von Ferdinand Keller 1888, von Arthur Kampf.
Bau und Geschichte offen bekannt. Er wollte Berliner Gebäude, "wo das Grauen Täter gefunden hat", als "Orte der unentrinnbaren Erinnerung" erhalten - ohne museale Distanz zu gewähren. Gebaute Geschichte sei als ministerielle Arbeitsstätte zu nutzen, "damit sich Täter nie wieder hinter Schreibtischen verschanzen können".
Den bewußten Umgang mit der Geschichte als Baugeschichte führte der britische Architekt Sir Norman Foster im Reichstag vor. "Wie bei einer Ausgrabung" legten seine Leute die Spuren deutscher Historie frei.
Hinter den Gipswänden der sechziger Jahre tauchten die Graffiti der Rotarmisten aus den letzten Kriegstagen 1945 auf. "Ruhm den Stalinschen Falken, die am Sturm auf Berlin beteiligt waren", hatte eine Lida Antonowa an die Wand gekritzelt. Beinah alle Sprüche, auch der Fluch des R. M. aus Kiew: "Tod den Deutschen", wurden sorgfältig konserviert und in einer unter Verschluß gehaltenen Dokumentation übersetzt. In der Union kommt Widerspruch dagegen auf, sich ständig dem Anblick der unangenehmen Erinnerung auszusetzen.
Auch das Interesse der Minister für ihre historischen Domizile ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Finanzminister Theo Waigel besuchte viermal die Baustelle des einstigen Reichsluftfahrtministeriums und mischte sich mit konkreten Vorschlägen ein. Arbeitsminister Blüm gefällt sich als "Mensch mit architektonischem Schrebergarten-Verstand" in der Rolle des trotzigen Verweigerers gegenüber der Geschichte. Kein einziges Mal nahm er das frühere Propagandaministerium, in das sein Amt einziehen soll, in Augenschein.
Gewiß, der Geist von Goebbels oder Göring wird nicht heimtückisch aus den Wänden der Nazi-Ministerien über künftige Minister und Beamte kommen. Aber der Architekt Hans Kollhoff, der aus der Reichsbank das Außenministerium macht, weiß auch um die Macht der Mauern: "Natürlich konditioniert Architektur Menschen - sonst wäre sie uninteressant."
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Berliner Karte mit Ministerien
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Berliner Karte mit Ministerien
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* Oben: vor dem Berliner Stadtschloß 1913; unten: im Berliner Lustgarten 1936. * Gemälde von Ferdinand Keller 1888, von Arthur Kampf.
Von Petra Bornhöft, Michael Schmidt-Klingenberg und Michael Sontheimer

DER SPIEGEL 22/1998
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