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DER SPIEGEL

HSH NORDBANKGutachter im Zwielicht

Im Ermittlungsverfahren gegen Vorstände der HSH Nordbank wegen des Verdachts der Untreue und Bilanzfälschung gerät nun auch ein Gutachter in die Kritik. Ein Bankrechtsexperte der Anwaltssozietät Freshfields hatte 2009 untersucht, ob Vorstände der Bank "Pflichtverletzungen" begangen haben. In dem Gutachten seien der damalige Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher und dessen Vorgänger Hans Berger auffällig geschont worden, argwöhnten Mitglieder des Hamburger Parlamentarischen Untersuchungsausschusses "HSH Nordbank". Womöglich habe sich Freshfields für lukrative Aufträge in der Vergangenheit erkenntlich gezeigt. Thomas Emde, Leiter der Frankfurter Freshfields-Niederlassung, hat diesen Verdacht stets zurückgewiesen. Es gebe keinen Interessenkonflikt, weil neben dem Gutachtenauftrag keinerlei Mandatsverbindung der Freshfields-Filiale zur HSH bestehe. Die Hamburger Staatsanwaltschaft fand jedoch bei ihren Ermittlungen ein 27-seitiges "Memorandum", das zwei Frankfurter Anwälte der Sozietät im März 2008 über die Absicherung von Schiffskrediten verfasst hatten. Freshfields-Anwalt Emde erklärt, das Papier zum Zeitpunkt der Mandatierung nicht gekannt zu haben. "Ich habe mein Gutachten im Auftrag des Aufsichtsrates erstattet und mich ihm allein verpflichtet gefühlt." Zumal er an dem früheren Mandat nicht beteiligt gewesen sei und es nur untergeordnete Bedeutung gehabt habe.

DER SPIEGEL 25/2011
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