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GOLFSTAATEN

Wüste Truppe

Weil er sein Land von Iran und den arabischen Revolten bedroht sieht, baut der Kronprinz von Abu Dhabi eine Privatarmee auf. Der Gründer der US-Sicherheitsfirma Blackwater liefert die Söldner, auch deutsche Spezialisten sind als Ausbilder beteiligt.

Über Nacht änderten sich die Wünsche des Kunden. Als sei etwas passiert. Oder als würde etwas passieren. "Plötzlich sollten wir Berater ebenfalls die emiratische Uniform tragen. Wir mussten auch die Schieß- und Sporttests mitmachen. Wer sich weigerte, konnte seine Sachen packen. Reine Beratertätigkeit? Denkste. Das Ganze ist seither eine reine Militäreinheit."

Das sagt einer, der ausgestiegen ist. Weil ihm unheimlich wurde, was dort in der Wüste geschah, was weiterhin geschieht. Die Kameraden. Der unklare Auftrag. Das Ausmaß des Ganzen. Für eine halbe Milliarde Dollar wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Söldnerarmee aufgebaut, bislang 800 Mann, die von einer umstrittenen Sicherheitsfirma für die Bekämpfung von Aufständen trainiert werden.

Eine Zukunftsaufgabe. Denn praktisch über Nacht haben sich auch die Verhältnisse in der arabischen Welt geändert. An Aufständen ist plötzlich kein Mangel mehr.

Das "Camp Thor" befindet sich gut 30 Kilometer vom Internationalen Flughafen Abu Dhabi entfernt an der Autobahn nach Dubai. Die Baracken hinter dem Stacheldraht haben die gleiche sandgelbe Farbe wie die Umgebung, eine in der Glut flirrende Schotterwüste, über die sich Stromleitungen bis zum flachen Horizont ziehen.

Hier liegt "Zayed Military City", die größte Militärbasis der Emirate, mit eigener Landebahn, Heliport und hochmoderner Einsatzzentrale. Es ist in Abu Dhabi üblich, nur das Feinste einzukaufen. Das Camp Thor ist eine Kaserne in der Kaserne. Der einfache Soldat darf es nicht betreten, nur einem Dutzend handverlesener Offiziere wird Einlass gewährt. Die Männer in den Baracken sind keine Araber und keine Muslime. Sie bekreuzigen sich vor dem Essen.

Ohne Begleitung dürfen sie das Camp nicht verlassen. Es ist den Männern verboten, über ihre Aktivitäten zu sprechen. "Guantanamo" sagen die Männer, wenn sie untereinander über das Camp reden. Auch einige ihrer Militärausbilder haben ihren Spitznamen bekommen. Ein Deutscher im Lager, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat aus Mecklenburg-Vorpommern, führte sich so auf, dass er nach wenigen Wochen nur noch "Hitler" hieß. Das stört ihn nicht. Im Gegenteil. "Bei ihm zu Hause hängt das Bild des "Führers" im Wohnzimmer", sagt der Aussteiger.

Am 15. Mai machte ein Team der "New York Times" die Existenz der privaten Elitetruppe in Abu Dhabi öffentlich. Jemand hatte der Zeitung einen Vertrag zugesteckt, datiert auf den 13. Juli 2010. Darin vereinbarten eine "Reflex Responses Management Consultancy" und das Kommando der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine aus Söldnern bestehende "Special Security Force" aufzubauen.

Im Vertrag war auch der "Gesamtwert" des Plans angegeben, auf den Cent genau: "US$ 529,166,754.13".

Offiziell ist Reflex Responses, kurz "R2", eine emiratische Firma. Doch geführt wird sie maßgeblich von dem ehemali-gen Navy-Seals-Elitesoldaten Erik Prince. Der gründete 1997 in den USA unter dem Namen Blackwater eine Firma, die sich innerhalb weniger Jahre zum größten privaten Sicherheits- und Militärunternehmen der Welt entwickeln sollte (SPIEGEL 50/2007).

Im vergangenen August aber zog Prince mit seiner Familie in eine Villa an der Marina von Abu Dhabi, wo mehrere Botschafter ihre Residenzen haben. In der Nachbarschaft wohnen auch CIA-Leute. Man kennt sich.

Die Firma unterhält zwei Büros in Abu Dhabi, eines in der Villenstadt Khalifa City A direkt am Flughafen, das andere im sechsten Stock eines Büroturms, wenige Schritte von der palmengesäumten Corniche. Das Firmenlogo hängt im Foyer. Mitarbeiter sind leicht an ihren Fahrzeugen zu erkennen, schwarzen "TrailBlazer"-Chevrolets, ein Lieblingsmodell der CIA.

Anfragen des SPIEGEL für Interviews und eine Stellungnahme lehnte Reflex Responses ab: "Wir sind hier sehr diskret", sagte die höfliche Dame am Empfang nach kurzer Rücksprache mit ihren Chefs.

Recherchegrundlagen für diesen Text sind, neben den Erkenntnissen der "New York Times" und dem inzwischen im Internet zugänglichen Vertrag, Ortsbesuche und ausführliche Gespräche mit einem Aussteiger, der den Aufbau der Söldnertruppe in einer führenden Position miterlebt hat. Jedem der Angestellten, berichtet dieser Informant, sei von vornherein eine Sprachregelung eingeschärft worden: "Es wurde uns verboten, den Namen von Erik Prince auszusprechen. Das Projekt sollte möglichst nicht mit Blackwater in Zusammenhang gebracht werden. Prince heißt für alle nur ,Kingfish'." Und auch ein anderer Name sei tabu, der eines wirklichen Prinzen. Kronprinz Mohammed führt den internen Tarnnamen "Crownfish".

Kronprinz Mohammed Bin Sajid Bin Sultan Al Nahajan, 50, ist Vizekommandierender der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate und gilt als der starke Mann in Abu Dhabi. Sein Bruder Chalifa, der 66-jährige Präsident, tritt ungern öffentlich in Erscheinung und überlässt das Tagesgeschäft dem jüngeren Kronprinzen. Es war dessen Idee, sein Land mit einer Einheit aus ausländischen Spezialkräften auszustatten.

Laut Vertrag soll die R2-Truppe zu Land, zu Wasser und in der Luft einsetzbar sein, und zwar möglichst bald. Die Rekruten werden im Präzisionsschießen, im städtischen Nahkampf, in der Handhabung von Sprengstoff, in Aufklärung, Subversion und "crowd control" trainiert, dem Umgang mit rebellischen Menschenmengen. Ein Szenario sieht die Überwältigung eines Terrorkommandos im Burdsch Chalifa vor, dem in Dubai errichteten höchsten Gebäude der Welt. Andere Einsätze könnten die Sicherung von Nuklearanlagen, Ölbohrplattformen, aber auch humanitäre Missionen sein.

"Sie haben uns mit Geld angefüttert", sagt der Berater. "Aber dann wurden die Schrauben angezogen. Ich sah mich bereits in Bahrain im Einsatz, in Somalia oder im Jemen."

Schon vor Vertragsabschluss beauftragte Reflex Responses einen Subunternehmer, in Lateinamerika geeignetes Personal einzukaufen. Das Unternehmen hat Filialen in mehreren südamerikanischen Staaten. In Kolumbien sind die Beziehungen zum Militär besonders gut.

Nach Abu Dhabi wurden Chilenen, Salvadorianer, Panamaer geliefert, doch überwiegend ehemalige Soldaten und Polizisten aus Kolumbien. Dem Kunden waren sie als Elitekämpfer mit mindestens fünf Jahren Kampferfahrung verkauft worden.

Die Betroffenen wussten selbst oft nichts von diesem Lebenslauf. "Manche hatten noch nie ein Gewehr abgefeuert. Die waren nur billig", sagt der Informant.

Nach Protesten der Emirater wurde nachbestellt, diesmal in höherer Qualität. In kleinen Gruppen und getarnt als Mechaniker oder Sachbearbeiter wurden sie durch die Einreisekontrolle am Internationalen Flughafen Abu Dhabi geschleust und mit Bussen in die Wüste gebracht.

Das Camp war der erste Schock. Zu Hause hatte man ihnen Powerpoint-Präsentationen gezeigt, auf denen Palmen und Strand zu sehen waren. Es hieß, sie müssten nur "static security" leisten, also vor irgendwelchen Anlagen Posten stehen. Laut Vertrag bekämen sie dafür 150 Dollar am Tag. Der Sold sei inzwischen deutlich gesenkt worden, auf 85 Dollar heißt es.

Die Männer leben hinter fünf Meter hohen Mauern und Stacheldraht, zu viert in einem Container. Ab und zu werden organisierte Fahrten in die Abu Dhabi Mall oder nach Dubai unternommen, zu den Mädchen. Nach zwölf Monaten gibt es einen Monat Urlaub. Wer kündigt, muss den Flug in die Heimat selbst bezahlen.

Bevor er das Camp überhaupt verlassen darf, muss sich der Söldner einer strikten Durchsuchung seiner Person und Sachen unterziehen. Gesucht wird nach Unterlagen oder Fotos, welche die Existenz des Lagers belegen könnten.

Zu Weihnachten kam es zu einem ersten Konflikt, als im Internet Handy-Fotos aus dem Camp aufgetaucht waren. Ein pensionierter Sergeant der US-Armee mit dem Spitznamen "Chuck" ließ daraufhin einen Tag vor Heiligabend alle Handys einsammeln, den einzigen Draht der Männer zu ihren Familien. Es sei fast zu einem Lageraufstand gekommen, berichtet der ehemalige Ausbilder. Den Kolumbianern habe "Chuck" erklärt: "Wir sind hier in der Scheiß-Wüste. Ich kann machen, was ich will. Ich scheiß auf eure Familien."

Erik Prince ist ein fundamentalistischer Christ, ein Evangelikaler. Eine der Bedingungen bei der Rekrutierung, sagt der Informant des SPIEGEL, sei gewesen: "Es dürfen keine Muslime sein. Das war die Vorgabe von "Kingfish". Er fürchtet, dass ein Muslim nicht auf einen anderen Muslim schießen könnte, wenn es darauf ankommt."

Geführt wird die wüste Truppe von sogenannten Advisern. 40 sind es inzwischen, darunter britische Veteranen, drei französische Ex-Spezialeinsatzkräfte, Deutsche, Südafrikaner und US-Amerikaner. Ihre Zahl steigt wöchentlich.

Unter den Deutschen sind ehemalige Angehörige der Bundeswehr und der Bundespolizei. Die meisten von ihnen sind hier, weil ihnen eine Laufbahn als Berufssoldat nicht attraktiv erschien und sie bei R2 erheblich mehr Geld machen können. Ein gewisser "Mike", der bei den Kolumbianern gut angesehen ist, war früher bei der GSG 9.

Die Deutschen laufen gern mit "Mercenary"-T-Shirts durch die Malls in Abu Dhabi und Dubai, und einige sehen offenbar auch keinen Grund, im Ausland auf Elemente heimischer Folklore zu verzichten. Gern wird "Führers Geburtstag" gefeiert. Nur ohne Bier und Schnaps. Man will ja nicht provozieren.

Auch eine Kolonne Südafrikaner wurde als Instruktoren verpflichtet. Darunter Veteranen der berüchtigten Söldnerfirma "Executive Outcomes", die damit prahlten, in den neunziger Jahren an der Niederschlagung von Rebellionen in Afrika beteiligt gewesen zu sein.

Die Söldner trainieren an M-16-Sturmgewehren und anderen Präzisionswaffen. Man greift auf amerikanische Ausrüstung und US-Dienstvorschriften zurück. "Für die Blackwater-Leute gibt es nur Waffen, die sie aus ihren Spezialeinsätzen kennen. Alles andere halten sie für Schrott", so der Insider. "Europäer sind gewohnt, chirurgisch vorzugehen, mit möglichst wenig Schaden an Material und Leuten. Die Amerikaner dagegen gehen brachial vor. Das ist Holzfäller gegen Bonsai-Gärtner."

Die Amerikaner, sagt er, hielten ihre Kollegen aus Europa grundsätzlich für "Pussies". Festnahmen seien unerwünscht. Wozu Handschellen? "Die ,rules of engagement' sind für die Amerikaner ziemlich klar. Wenn jemand Ärger macht, wird er ausgepustet."

Etwa 80 Prozent der Einwohner der Emirate sind Ausländer. Rings um Dubai und Abu Dhabi gibt es "labor camps", wo Bauarbeiter aus Bangladesch, Indien, Afghanistan, Pakistan zu Zehntausenden untergebracht sind. Die meisten Gastarbeiter kommen für drei Jahre. Sie haben keine dauerhaften Aufenthaltsrechte. Sie können jederzeit des Landes verwiesen werden. Es gibt weder Gewerkschaften noch sonstige Formen der Selbstorganisation.

Die Wohnghettos der Billigarbeiter sind die dunkle Seite des Wirtschaftswunders am Golf. Am Neujahrstag 2011 gab es in einem Industriegebiet von Dubai, in Quoz, einen Aufstand, nachdem Wachposten einen Arbeiter verprügelt hatten. 40 Busse brannten, Baracken wurden verwüstet.

Es war der Ernstfall - und ein Anlass, über einen ersten Einsatz der Wüstentruppe nachzudenken. Doch die Polizei in Dubai schickte ihr eigenes Aufstand-Bekämpfungsteam, um das Lager zu umstellen und die Situation zu bereinigen.

Für die Arbeiter dürfte das die friedlichere Lösung gewesen sein. "Für uns sind die Einsatzregeln in solchen Fällen ziemlich eindeutig", sagt der ehemalige Söldner. "Wenn es in einem Labor Camp zum Aufstand kommen sollte, wird nicht erst dreimal gewarnt. Wer etwas hochhält, und sei es ein Transparent, der wird erschossen."

Blackwater Worldwide hatte seinen Sitz in Moycock, North Carolina. Erik Prince' Firma wurde reich, als George W. Bush in Washington die Geschäfte führte. Der "Krieg gegen den Terror" eröffnete Geldströme bis dahin ungekannten Ausmaßes. Blackwater war die erste Adresse, wenn es ums Outsourcing von Militäraufgaben ging, in Afghanistan, im Irak - und an anderen Orten, wo mutmaßliche Terroristen gejagt werden mussten.

Im September 2007 erschossen Blackwater-Söldner mitten in Bagdad 14 Zivilisten auf offener Straße. Es kam zu Prozessen und einer Reihe von unangenehmen Anhörungen im US-Kongress. Unter anderem kam heraus, dass Blackwater auch außerhalb der USA Trainingscamps für seine Legionäre betrieb, so in Jordanien, ohne dafür eine Erlaubnis des State Department zu haben.

Man einigte sich. Erik Prince zahlte 42 Millionen Dollar Strafe, und über die unschöne Vergangenheit wurde nicht mehr gesprochen.

Im Februar 2009 änderte die Firma ihren Namen in "Xe Services". Es war immer der Traum von Erik Prince gewesen, für den US-Geheimdienst eine private "army in a box" aufzubauen, eine selbständige Truppe in Bataillonsstärke. Mit eigener Luftlandekapazität, eigenen Ärzten, Pionieren und Hightech-Waffen. Global einsatzfähig und von jedem zu buchen, der genug Geld hat. Und vor allem unabhängig von den Restriktionen der US-Gesetze.

Obwohl er nach wie vor Millionenaufträge für das US-Außenministerium und die CIA ausführte, scheiterte die Vision des Erik Prince in den USA an der Öffentlichkeit, an Anwälten, kleingeistigen Kongressleuten und Paragrafenreitern. In einem Interview mit dem Magazin "Men's Journal" redete Erik Prince von den "Schakalen", die nur hinter seinem Geld her seien.

Frustriert verkaufte Prince seinen Anteil an Xe Services und zog in ein Land, wo man die Träume von Männern noch zu schätzen weiß.

Allein ihre Ölexporte spülen den Emiraten täglich 164 Millionen Dollar Einnahmen in die Kasse. So ist das Herrscherhaus der Nahajan in der Lage, sich kaufen zu können, was es will. Eine Formel-1-Rennstrecke und das teuerste Hotel der Welt; die Berliner Philharmoniker für Konzertauftritte, Professoren aus Harvard für eine neue Universität, Künstler aus der Bronx für Ausstellungen; ein Guggenheim-Museum, einen Louvre, eine westliche Chipfabrik und eine vom Architekten Norman Foster entworfene Ökostadt in der Wüste - wichtig ist nur, dass es immer das Teuerste und Beste ist. Abu Dhabi ähnelt bisweilen einer Schatzkammer, einer Trophäensammlung.

Eine Armee aufzubauen, die diesen Qualitätsstandards genügt, ist dagegen schwieriger. Man kann sich die teuersten Waffen kaufen. Aber es ist schwer, in einem Land von Millionären Staatsbürger zu finden, die als einfache Soldaten zu dienen bereit sind. Der Vizekommandierende der Streitkräfte, Kronprinz Mohammed, wird gewusst haben, weshalb er sich an Erik Prince um Hilfe wandte.

Der Kronprinz hat beste Verbindungen nach Washington und ist ein Freund der Bundeskanzlerin. Auch Gerhard Schröder kommt regelmäßig zu Treffen der Emiratisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft, manchmal hat er Otto Schily dabei.

Der Kronprinz hat den Ehrgeiz, den Emiraten auch eine politische Stimme zu geben. Für ihn scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, dass ein Konflikt mit Iran ausbricht. Er fürchtet, wie die Führer aller arabischen Golfstaaten, dass Iran eine Atombombe entwickelt.

Die WikiLeaks-Depeschen aus der US-Botschaft zitieren ihn mit den Worten: "Ahmadinedschad ist Hitler", und erwähnen im November 2009 die "nahezu obsessiven Anstrengungen (des Prinzen), seine Streitkräfte aufzubauen".

Die Vereinigten Arabischen Emirate rüsten seit dem Golfkrieg 1991 massiv auf, ja, sie sind in einen wahren Kaufrausch verfallen. Die "Union Defense Forces" verfügen über amerikanische Flugabwehrraketen, F-16-Jäger, Apache-Kampf- und französische Transporthubschrauber. Auf die seit Jahren gewünschten Predator-Drohnen müssen die Emirate allerdings noch warten.

Seiner regulären Armee traut Scheich Mohammed offenbar nicht zu, mit den Gefahren fertigzuwerden, von denen er das Land bedroht sieht.

Da müssen andere ran.

Der Vertrag mit Reflex Responses sieht nur Einsätze innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate vor. Doch intern ist davon nicht mehr die Rede. Denn die Wünsche des Kunden haben sich ebenso geändert wie die Verhältnisse in der Region. Seit den Protesten in Bahrain ist die Nervosität in den Golfstaaten besonders groß.

"Im Vertrag war nur von ,Travel' die Rede", erinnert sich der Ehemalige. "Da haben wir schon gerätselt damals."

Gerade hat Boeing die ersten von sechs C-17-Globemaster-Transportmaschinen in die Emirate geliefert. Die Flugzeuge, Stückpreis 191 Millionen Dollar, sind für Einsätze in Gebieten ausgestattet, wo es nicht immer asphaltierte Landebahnen gibt.

Einigen ist das unheimlich. Sie fürchten, bei einem Einsatz in Bahrain, im Jemen oder in Saudi-Arabien dabei sein zu müssen: "Es ist eine Sache, als Berater in ein Land zu kommen. Aber eine ganz andere Sache ist es, als Soldat einer Privatfirma ein Labor Camp zu befrieden oder nach Somalia zu fliegen - und zwar ohne Rückendeckung des Heimatlands."

Die bisher üblichen Trainingseinheiten wurden heruntergefahren. Jetzt wird der Einsatz in urbanem Terrain geübt. Auch die Aufgabenbeschreibung für die Berater hat sich gewandelt.

Inzwischen werden Manöver wie die Sicherung eines Gipfeltreffens oder die Kontrolle eines Gastarbeiterlagers trainiert - vielleicht in Bahrain oder in Libyen. Wo genau, das hängt von den politischen Entwicklungen in der Region ab.

Nach dem Erscheinen des Berichts in der "New York Times" gab es eine einzige Reaktion in den Emiraten: Ein hoher General bestätigte, dass Prince' Firma "operationell, planerisch und im Training Unterstützung leistet". Alle Verträge stünden im Einklang mit dem internationalen Recht und einschlägigen Konventionen.

Nicht reagiert haben bislang Bundesregierung und Bundesverteidigungsministerium auf die Berichte über den Aufbau einer Söldnertruppe mit deutscher Beteiligung. Dabei bleiben einige Fragen offen. Vor allem eine: Dürfen ehemalige Angehörige von deutschen Spezialkräften der Bundeswehr oder der Bundespolizei ihr Expertenwissen ohne Zustimmung von Bundesbehörden exportieren?

Zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht eine "strategische Partnerschaft". Aber darf teuer erworbenes Know-how von deutschen Ehemaligen für den Aufbau einer Söldnertruppe in einer Krisenregion verwendet werden?

Und was passiert, wenn bei einem Einsatz Zivilisten ums Leben kommen und Deutsche daran beteiligt sind? Deutsche mit dem Spitznamen "Hitler"? ◆

DER SPIEGEL 28/2011
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