FUSSBALL
Große Keule
SPIEGEL: Weil Fans von Dynamo Dresden während des Pokalspiels bei Borussia Dortmund randalierten, soll der Club laut Strafantrag in der nächsten Saison nicht im DFB-Pokal starten dürfen. Was halten Sie von dieser Forderung?
Pilz: Die große Keule zu schwingen wäre nicht zielführend. Man träfe nicht ein paar Chaoten, sondern die ganze Fangemeinde. Das hätte wohl einen gegenteiligen Effekt zur Folge: Die besonnenen Fans würden sich eher mit den Randalierern solidarisieren, statt die Situation selbstkritisch zu reflektieren.
SPIEGEL: Kann man nicht mit der harten Maßnahme den Verein zwingen, seine Fans zu erziehen?
Pilz: Die Frage an die Fans muss lauten: Wollt ihr, dass es so weitergeht wie bisher - oder wollen wir gemeinsam etwas tun, um Gewalt zu verhindern? Man darf es nicht allein der Polizei überlassen, die Chaoten-Minderheit aus dem Stadion zu vertreiben. Der Club muss die Mehrheit der Fans, die vernünftigeren Anhänger, auf seine Seite bringen. Als rechtsradikale Werder-Fans mal ein Transparent ausrollten, haben die übrigen Ultras die Gruppe aus dem Block gebrüllt.
SPIEGEL: Dresden musste in den vergangenen zwei Jahren 14 Geldstrafen zahlen, weil Dynamo-Fans randaliert haben. Wie soll der DFB da auf Einsicht hoffen?
Pilz: Entscheidend ist, dass der Verein seine Fans ernst nimmt. Dazu gehört erstens, dass man auf die Bedürfnisse der Fans eingeht, dass man nach anderen Möglichkeiten sucht, Stimmung zu produzieren, als bengalische Feuer anzuzünden. Und dass man, zweitens, als Verein den Fans knallhart die Grenzen zeigt und diese auch durchsetzt.
SPIEGEL: Und warum hat das bisher nicht geklappt?
Pilz: Bei Dynamo scheint die Kommunikation gestört zu sein. Verein und Fans müssten sehr viel mehr miteinander sprechen. In Bremen hat man mit den Ultras einen Verhaltenskodex erarbeitet, es ging um die Frage, was die Fans im Stadion wollen und was sie können. Das hat den Effekt, dass alle darauf achten, die eigenen Regeln einzuhalten.