ITALIEN
Feuerwerkskörper und Ähnliches
Nachdem am vorigen Freitag in einem Büro nahe der antiken Via Appia eine Briefbombe explodierte, geht die römische Staatsanwaltschaft aufgrund eines Bekennerschreibens davon aus, dass auch dieser Anschlag der Anarchistengruppe "Federazione Anarchica Informale" (FAI) zuzuschreiben ist. Adressiert war der Umschlag an den Direktor einer staatlichen Steuereinzugs-Gesellschaft, der das Paket selbst öffnete und dabei an Hand und Gesicht verletzt wurde. Nur zwei Tage zuvor war eine Briefbombe der FAI an den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rechtzeitig entdeckt worden. In einem handschriftlichen Bekennerbrief kündigten die Absender insgesamt drei Anschläge gegen "Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger" an. Die Taten überraschen italienische Ermittler nicht, seit Wochen kursieren im Internet Solidaritätsaufrufe für zwei angebliche FAI-Aktivisten, die wegen eines Anschlags auf eine Bank in Indonesien festgenommen worden waren. Auch bei früheren Aktionen hatte sich die FAI mit Anarchisten und Ökoterroristen in Griechenland, Südamerika und in der Schweiz solidarisiert. Berüchtigt ist die führerlose Gruppe von maximal 200 Kämpfern, die sich bisher zu 40 Anschlägen bekannt hat, vor allem für ihre konzertierten Aktionen in der Weihnachtszeit. Erstmalig wurde die FAI, damals noch mit dem Namenszusatz "Handwerkerkooperative Feuerwerkskörper und Ähnliches", mit ihrer "Operation Santa Claus" bekannt, bei der sie 2003 dem damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi zwei Kochtöpfe mit Brandsätzen vor das Haus stellte. Im vergangenen Dezember verschickte die Gruppe Briefbomben an drei Botschaften in Rom. Sowohl die italienische Staatsanwaltschaft als auch die Bundesanwaltschaft haben Ermittlungen wegen Terrorismusverdachts aufgenommen. Sogar die US-Bundespolizei FBI hat sich eingeschaltet. Banken wurde geraten, den Posteingang besonders sorgfältig zu kontrollieren.
MARIO VEDDER / DAPD (O.); DPA (U.)