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Annemarie Griesinger

Annemarie Griesinger, 87. Mit Saitenwürschtle, Wein und Bier beförderte die CDU-Sozialpolitikerin in der Bonner Republik den Ausgleich unter den Parteien und begründete ihren Ruf als "Feschtles-Marie" so: "Wenn wir hungrig und narret aufeinander einschlagen, gibt es keinen Kompromiss." Die württembergische Pfarrerstochter, die Hauswirtschaft gelernt hatte, war 1964 in den Bundestag gekommen. 1969 entriss sie der SPD das Direktmandat in Ludwigsburg. Ministerpräsident Hans Filbinger holte sie 1972 als erste Frau für das Ressort Arbeit, Gesundheit und Soziales ins Landeskabinett nach Stuttgart. Dort führte die kinderlose Politikerin 1979 ein einkommensabhängiges Familiengeld ein, das "Babygeld". 1980 kehrte sie als baden-württembergische Landesministerin für Bundesangelegenheiten nach Bonn zurück. Die für ihre Fröhlichkeit gerühmte Frau ließ sich gern als "Frau Minister" ansprechen, wirkte als Botschafterin des Ländles und engagierte sich für geistig Behinderte. Annemarie Griesinger starb am 20. Februar in Bad Urach.

DER SPIEGEL 9/2012
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